Argentiniens Präsidentschafts-Vorwahlgewinner Javier Milei: „Es lebe die Freiheit, verdammt noch mal!“

von | 19. Aug 2023

In Argentinien gab es Präsidentschaftsvorwahlen, es konnte sich Javier Milei als Überraschung durchsetzen. Milei ist Beführworter von Bitcoin und dem Dollar und möchte am liebsten die Zentralbank abschaffen, wird er zum Präsidenten gewählt.

Milei ist eine interessante Persönlichkeit, auf die sich ein näherer Blick lohnt. Wir beginnen daher mit seinem Lebenslauf und gehen dann zu Informationen zu seinem Wahlsieg über.

Es sind Auszüge aus der Zusammenstellung von Buscabiographias:

Javier Milei

Ökonom und argentinischer Politiker, bekannt für seine liberale Haltung und seine Beteiligung im politischen Bereich.

  • Parteien: Partido Libertario (seit 2019), Avanza Libertad (2020-2021), La Libertad Avanza (Die Freiheit schreitet voran) (seit 2021)
  • Eltern: Norberto Horacio Milei und Alicia Luján Lucich
  • Partnerin: Daniela Pérez (2018-2019)
  • Name: Javier Gerardo Milei

Javier Milei wurde am 22. Oktober 1970 im Stadtteil Palermo in Buenos Aires, Argentinien, geboren.

Mein Vater hat mich verprügelt. Ich werde nie den Prügel vergessen, den er mir am 2. April 1982 gab, als ich 11 Jahre alt war. Wir sahen im Fernsehen alles über Falklandkrieg [in Argentinien als Malvinenkrieg bezeichnet], und mir fiel ein zu sagen, dass das Wahnsinn sei, dass sie uns den Hintern versohlen würden. Mein Vater bekam einen Wutanfall und begann, mich mit Fäusten und Tritten zu schlagen.

Studium
Er hat einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der Universität Belgrano und hat zwei Postgraduiertenprogramme am Institut für Wirtschafts- und Sozialentwicklung (Instituto de Desarrollo Económico y Social – IDES) und an der Universidad Torcuato di Tella absolviert.

Darüber hinaus wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universidad ESEADE* verliehen.

* Die „Universidad ESEADE“ steht für „Escuela Superior de Economía y Administración de Empresas“. Es handelt sich hierbei um eine private Hochschule in Buenos Aires, Argentinien, die sich insbesondere auf Wirtschafts- und Unternehmensführungsprogramme spezialisiert hat.

Unterrichtstätigkeit
Er arbeitete 21 Jahre lang als Lehrer in Bereichen wie Makroökonomie, Wirtschaftswachstum, Mikroökonomie, Geldtheorie, Finanztheorie und Mathematik angewendet auf die Wirtschaft, sowohl an akademischen Einrichtungen in Argentinien als auch im Ausland.

Wirtschaftswissenschaftler
In seiner Karriere war Milei bekannt für seine ökonomischen Ansichten und Vorschläge, die im Einklang mit dem klassischen Liberalismus stehen, und plädierte für die Verringerung der Größe des Staates, die Abschaffung von Regulierungen und die Förderung freier Marktpolitiken.

Er hatte führende Positionen im wirtschaftlichen Bereich, war Hauptökonom bei Máxima AFJP [einer ehemaligen argentinischen Rentenfondsverwaltung (AFJP steht für „Administradora de Fondos de Jubilaciones y Pensiones“)] und im Estudio Broda [Wirtschaftsberatungsunternehmen oder Wirtschaftsforschungsinstitut] und beriet die Regierung im Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten. Er hatte auch eine bedeutende Rolle als leitender Ökonom bei der HSBC-Bank [britische Großbank].

Er ist Mitglied von Institutionen wie dem B20 [Geschäftsbereich des G20-Forums], der Wirtschaftspolitischen Gruppe der Internationalen Handelskammer und dem Weltwirtschaftsforum. Seit 2012 leitet er die Abteilung für Wirtschaftsstudien bei der Stiftung Acordar. Im Gesetzgebungsrahmen beriet er den Militär Antonio Domingo Bussi im Abgeordnetenhaus der Nation.

Er ist Autor von wissenschaftlichen Arbeiten, Journalistenartikeln und Büchern, in einigen Fällen in Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten.

Medien
Milei war ein scharfer Kritiker interventionistischer Wirtschaftspolitik und der Inflation in Argentinien. Er äußerte seine Ansichten nachdrücklich in den Medien, sozialen Netzwerken und Konferenzen. Seine Meinungen sorgen oft für Kontroversen und Debatten im Land.

Von 2017 bis 2022 moderierte er seine eigene Radiosendung namens „Demoliendo mitos“ („Mythen zerstören“).

Das Magazin Noticias listete ihn 2019 auf Platz 27 der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten Argentiniens. 2021 belegte er den 4. Platz in derselben Liste.

Seit 2022 moderiert Milei seine eigene Online-Show namens „Cátedra libre“ [~ „Offenes Forum“].

Politik
Am 23. Februar 2019 kündigte er während einer politischen Veranstaltung in der Hauptstadt seine Unterstützung für die Libertäre Partei an und erhielt den Ehrentitel des Parteivorsitzenden. Er war einer der Unterzeichner des Madrid-Briefes.

Während des Jahres 2020 unterstützte Milei die oppositionellen Proteste gegen den argentinischen Präsidenten Alberto Fernández. Später gab Milei an, dass mehrere Anhänger der kirchneristischen Partei seine Medienzensur gefordert hätten, was ihn dazu veranlasste, sich direkt in die politische Arena zu begeben.

Abgeordneter
In den Vorwahlen vom 26. September 2020 kündigte Javier Milei über Instagram seine Absicht an, sich als Kandidat für das nationale Abgeordnetenhaus für die Stadt Buenos Aires aufzustellen.

Am 7. August 2021 startete Milei seine Kampagne als Kandidat für das nationale Abgeordnetenhaus … Schließlich erhielt seine Liste in den Vorwahlen von 2021 242.839 Stimmen, was 13,90 % der Gesamtstimmen entspricht. Damit wurde das Bündnis zur drittgrößten politischen Kraft im Bezirk, nach Juntos por el Cambio und dem Frente de Todos.

Am 6. November fand der Abschluss der Wahlkampagne von Milei für die Parlamentswahlen 2021 im Parque Lezama in San Telmo, Buenos Aires, statt, bevor er zusammen mit seiner Listenpartnerin Victoria Villarruel seine Abgeordnetenurkunde erhielt. Sie erzielten 313.808 Stimmen, was 17,04% der Gesamtstimmen entspricht.

Die Amtszeit von Javier Milei als Mitglied des Abgeordnetenhauses begann am 10. Dezember 2021. Zu Beginn seiner Amtszeit gründete er gemeinsam mit Victoria Villarruel die parlamentarische Fraktion „La Libertad Avanza“.

Präsidentschaftskandidatur

Am 22. April 2022 nahm Milei an einer von der Demokratischen Partei in Mendoza gesponserten Pressekonferenz teil. Während dieser Veranstaltung bewarb er sich für die Präsidentschaftswahlen, die 2023 stattfinden würden.

Später, am 2. August, führte er eine Live-Übertragung über seinen Instagram-Account durch. Während dieser Übertragung stellte er seinen endgültigen Regierungsplan vor, der die Maßnahmen umfasst, die er beabsichtigt umzusetzen, falls er zum Präsidenten gewählt wird. Sein Plan betont Maßnahmen wie eine erhebliche Reduzierung der öffentlichen Ausgaben, die Abschaffung politischer Positionen, Steuersenkungen und den Vorschlag, die Zentralbank abzuschaffen.

Obwohl es große Erwartungen an die Präsidentschaftsvorwahlen am Sonntag, den 13. August, gab, übertraf er diese mit fast sieben Millionen Stimmen, etwas mehr als 30%. Milei mobilisierte nicht nur die Unterstützung derjenigen, die mit der Situation in der argentinischen Gesellschaft unzufrieden waren, sondern stellte sich auch als der Präsidentschaftskandidat heraus, der vom Wahlvolk am meisten unterstützt wurde.

Ein anderes Argentinien ist mit den ewig Gleichen unmöglich. Lassen Sie uns einen klaren Schnitt machen. Es lebe die Freiheit, verdammt noch mal!

Zusammenfassung:
Ökonom und argentinischer Politiker. Eine polarisierende Figur in der argentinischen Politik aufgrund seiner wirtschaftlichen Ansichten und seines provokativen Kommunikationsstils. Seine Meinungen sind in Einklang mit der österreichischen Schule der Wirtschaftswissenschaften, die den freien Wettbewerb, das Privateigentum und die Verringerung staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft fördert. Seine Vorschläge beinhalten häufig die Abschaffung von Subventionen, die Senkung von Steuern, die Privatisierung von Staatsunternehmen und die Beseitigung von Vorschriften.

Ämter:
Abgeordneter der Argentinischen Nation für die Autonome Stadt Buenos Aires
Seit dem 10. Dezember 2021

Ehrenpräsident der Libertären Partei.

Autoren: Víctor Moreno, María E. Ramírez, Cristian de la Oliva, Estrella Moreno u.a.
Veröffentlicht am: 10.08.2023
Letzte Aktualisierung: 15.08.2023

Quelle: Buscabiografias

Im Lebenslauf haben wir mit dem Schwerpunkt seiner politischen Tätigkeit geendet, was uns einen schönen Übergang zum Artikel über seinen Wahlsieg erlaubt:

Pro-Bitcoin-Kandidat Javier Milei überrascht mit Führung im argentinischen Präsidentschaftsrennen.

Kurzfassung

  • Javier Milei, ein argentinischer Politiker mit einer Vorliebe für die Unterstützung von Bitcoin und für die Abschaffung der Zentralbank seines Landes, hat die Führung bei den Präsidentschaftsvorwahlen des Landes übernommen.
  • Javier Milei befürwortet nicht, dass Bitcoin in Argentinien als gesetzliches Zahlungsmittel verwendet wird, wie es in El Salvador der Fall ist. Stattdessen plädiert Milei für die „Dollarisierung“ der Wirtschaft.
  • Javier Milei ist ein Anarcho-Kapitalist, der die Abschaffung der argentinischen Zentralbank fordert und sie als „Betrug“ bezeichnet.

Der freiheitliche Kandidat Javier Milei, der für die Abschaffung der Zentralbank eintritt und sich positiv über Bitcoin geäußert hat, lag bei den argentinischen Präsidentschaftsvorwahlen am Sonntag in Führung.

Nach Auszählung von 84 % der Stimmen kam Javier Milei von der Partei „La Libertad Avanza“ (Die Freiheit schreitet voran) auf 30,73 % der Stimmen, verglichen mit den Kandidaten von „Juntos por el Cambio“ (Gemeinsam für den Wandel) und „Unidos por la Patria“ (Vereint für das Vaterland), die 28,14 % bzw. 26,8 % erhielten.

Javier Milei führt bei den Vorwahlen in Argentinien

CNBC berichtet, dass sich der argentinische Markt aufgrund des unerwarteten Wahlsiegs des Dollar- und Bitcoin-freundlichen Präsidentschaftskandidaten Javier Milei in einem Zustand der Unsicherheit befindet.

Der Markt hat diese Zahlen von Milei nicht erwartet. Ich denke, die Regierung wird sehr aufmerksam auf den Devisenmarkt achten müssen, es wird sicherlich eine Woche mit viel Spannung werden.

Dante Sica

Javier Milei, der von einigen als weit rechts im politischen Spektrum stehend angesehen wird, wurde von der sogenannten „Protestwählerschaft“, zu der auch ein beträchtlicher Teil der Krypto-Befürworter gehört, gelobt.

Der Kandidat der Liberalen und Befürworter von #bitcoin, Javier Milei, hat bei den argentinischen Vorwahlen eine deutliche Führung übernommen.

Milei gründete und leitet die Koalition „La Libertad Avanza“ (Die Freiheit schreitet voran), deren Ansichten von libertär bis rechtsextrem beschrieben wurden.

Milei bezeichnet sich selbst als Anarcho-Kapitalist und hat sich für die Abschaffung der Zentralbank Argentiniens ausgesprochen, die er als „Betrug“ bezeichnet. Er glaubt auch, dass der Verkauf von menschlichen Organen legal sein sollte und bestreitet die Existenz der globalen Erwärmung.

Die Zentralbank ist ein Schwindel, durch den Politiker die Bürger mit der Inflation besteuern. Bitcoin bedeutet die Rückkehr des Geldes zu seinem eigentlichen Ursprung: dem Privatsektor.
Javier Milei

Seine pro-Bitcoin-Haltung wird von vielen argentinischen Wählern unterstützt, die mit einer jährlichen Inflationsrate von 116% konfrontiert sind – der schlimmsten seit über drei Jahrzehnten, die die Krise um steigende Lebenshaltungskosten im Land verschärft.

Er wurde verklagt, weil er für Coinx geworben haben soll, einen argentinischen Ponzi-Betrug, bei dem mindestens 800.000 Dollar in argentinischen Pesos erbeutet worden sein sollen. Milei bestritt jegliches Fehlverhalten und argumentierte, dass das Unternehmen genauso gehandelt habe wie eine Bank.

Welche Auswirkungen hat der Sieg von Javier Milei auf die argentinische Wirtschaft?

Nach Ansicht von Marktanalysten könnten die Ergebnisse die Instabilität der argentinischen Finanzmärkte noch verschärfen [interessanter Weise öffnet der Link zu einem Artikel mit dem Titel „Argentinien eröffnet Untersuchung gegen Worldcoin angesichts wachsender regulatorischer Prüfungen“. Über Worldcoin mit seinen Iris-Scans hatten wir mehrmals berichtet.]. Ein vergleichbares unerwartetes Ergebnis bei den Vorwahlen im Jahr 2019 führte zu einem Absturz der Anleihen- und Währungswerte.

Der Sieg von Javier Milei bringt ein Element der Unsicherheit mit sich, obwohl er noch die allgemeinen Wahlen im Oktober und eine wahrscheinliche Stichwahl im November bewältigen muss. Goldman Sachs hob Javier Mileis Unterstützung für „radikale politische Vorschläge“ und seine mangelnde politische Erfahrung hervor.

Javier Milei wird im Oktober gegen die ehemalige Sicherheitsministerin Patricia Bullrich und den Kandidaten der peronistischen Koalition, Wirtschaftsminister Sergio Massa, antreten.

Javier Milei hat häufig die Zentralbank kritisiert und seine Unterstützung für Bitcoin geäußert, indem er sagte, dass es
die Rückkehr des Geldes zu seinem ursprünglichen Schöpfer, dem privaten Sektor, darstellt“.

Allerdings hat er sich nicht dafür eingesetzt, dass Bitcoin in Argentinien als gesetzliches Zahlungsmittel verwendet wird, wie es in El Salvador der Fall ist. Stattdessen plädiert Milei für die „Dollarisierung“ der Wirtschaft.

Wenn kein Kandidat in der Vorwahl mehr als 45 Prozent der Stimmen erhält, treten die Gewinner jeder Partei im Oktober in einer allgemeinen Wahl an. Im November wird eine Stichwahl abgehalten, wenn die Hürde von 45 % nicht erreicht wird.

Quelle: Cryptopolitan

Fazit

Sehr interessant ist Mileis Einsatz für den US-Dollar, von dem wir in unseren Breitengraden nur mitbekommen, dass er seinen Platz als Weltreservewährung angefangen hat einzubüßen. Gleichzeitig aber, trotz seiner Mitgliedschaf bei der wirtschaftspolitischen Gruppe der Internationalen Handelskammer und dem Weltwirtschaftsforum, die Zentralbank abschaffen und den Bitcoin stärken möchte.

Es ist schwer, von Milei alles pauschal abzulenen und genauso schwer, allem pauschal zuzustimmen. Argentinien ist in einer schweren Finanzkrise und vielleicht braucht es für die Lösung dieses und vieler anderer Probleme einen Präsidenten, der weniger diplomatisch ist und dafür den einen oder anderen mit seinen Aussagen erstaunt.

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