Bitcoin-Knappheit größer als gedacht – bis zu 37 Prozent sind für immer blockiert

von | 20. Sep. 2025

Bitcoin ist bereits auf eine Maximalzahl von 21 Millionen gedeckelt, wobei noch nicht alle Bitcoin geschürft wurden. Im folgenden Beitrag wird aufgezeigt, dass womöglich bis zu 37 Prozent durch verlorene Private Keys und andere Gründe verloren sind, noch gut sichtbar auf der Blockchain, aber nicht mehr zugänglich.

Derzeit führt das zu einem gewissen Paradox: Bitcoin hat nicht den Gesamtwert, den man ihm zuschreibt, weil nicht mehr zugängliche Coins nicht mitgezählt werden dürfen. Gleichzeitig erhöht sich sein Wert durch die nochmals reduzierte Angebotsmenge. Bisher wird das nicht wahrgenommen, doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit. Allerdings darf man den Einfluss der institutionellen Anleger nicht unterschätzen, die durch große Verkäufe zum Beispiel den Preis stark unter Druck setzen können.

Verdeckter Angebotsschock – 37 % der zirkulierenden Bitcoin womöglich für immer verloren

Tyler Durden – 08. September 2025

Eingereicht von Ronan Manly (vgl. X) vom Sound Money Report [Analyseportal für Geld- und Edelmetallmärkte] (vgl. Substack).

Während das feste Limit von 21 Millionen Bitcoin dazu gedacht war, Fiat-Inflation entgegenzuwirken und die Knappheit von Gold nachzubilden, verschärft ein riesiger Pool dauerhaft verlorener Coins die Angebotslage zusätzlich.

Schätzungen aus On-Chain-Analysen deuten darauf hin, dass zwischen 2,3 Millionen und unglaublichen 7,8 Millionen Bitcoin (etwa 11 – 37 % des Gesamtbestands) für immer verschwunden sein könnten, gefangen in verlorenen Wallets, vergessenen Schlüsseln oder in Adressen, die durch unerwartete Todesfälle aufgegeben wurden. Diese „Zombie-“ oder „Geister“-Coins verringern effektiv den tatsächlich umlaufenden Bestand von derzeit 19,9 Millionen auf nur noch 12,1 – 17,6 Millionen Bitcoin.

Eine Spende an alle

Zusätzlich zur ohnehin schon inhärenten Knappheit von Bitcoin erhöhen dauerhaft verschwindende Coins den wahren Wert aller verbleibenden Coins. Wie Satoshi Nakamoto im April 2010 im BitcoinTalk-Forum vorausschauend bemerkte:

„Verlorene Coins machen die Coins aller anderen nur ein kleines bisschen wertvoller. Betrachte es als eine Spende an alle.“ (Vgl. Bitcointalk)

Die Schätzung der verlorenen Coins (2,3—7,8 Millionen) übersteigt auch klar die zusammengefassten Bestände von Bitcoin-ETFs und Unternehmensreserven, die zusammen rund 2,2 Millionen Bitcoin umfassen, ein Punkt, der von den Mainstream-Medien kaum betont wird, die sich lieber auf die neuesten Zuflüsse in den Blackrock Bitcoin-ETF oder die Käufe von Strategy [ehemals MicroStrategy] konzentrieren.

Keine Schlüssel, keine Coins

Die Seltenheit von Bitcoin wird also durch diese dauerhaften Verluste noch verstärkt. Denn anders als bei traditionellen zentralisierten Anlagen wie Aktien oder Anleihen gibt es bei Bitcoin kein Sicherheitsnetz. Sind die Zugänge weg, sind die Coins effektiv aus dem Umlauf entfernt.

Dank der Selbstverwahrungs-Architektur („Sei deine eigene Bank“) auf einer unveränderbaren Blockchain bleiben verlorene oder unzugängliche Coins zwar sichtbar, aber unantastbar. Es gibt keine Bank und keine Rettung, nur den Besitzer und seine privaten Schlüssel.

Die bekannte Warnung bei Coins die auf einer Exchange liegen „Nicht deine Schlüssel, nicht deine Coins“ wird außerhalb der Kryptobörsenwelt zu „Keine Schlüssel, keine Coins“.

Bitcoin basiert auf privaten Schlüsseln [256-Bit-verschlüsselte Zeichenfolgen zur Kontrolle von Guthaben], die den Besitz von Adressen bestimmen und Übertragungen ermöglichen. Vergessene Passwörter, verlorene Seed-Phrasen [Wiederherstellungscode, bestehend aus mehreren Wörtern], überschriebene Dateien, defekte Festplatten oder weggeworfene Hardware führen unwiderruflich zu Verlusten.

Reale Verlust

Reale Fälle verdeutlichen das dramatische Ausmaß und die Tragik verlorener Bitcoin. Im Jahr 2013 warf der mittlerweile berüchtigte walisische IT-Ingenieur James Howells versehentlich eine Festplatte mit privaten Schlüsseln zu 8.000 Bitcoin auf eine Mülldeponie, heute rund 900 Millionen US-Dollar wert. Doch Beschlüsse des örtlichen Stadtrats zu Umweltauflagen hindern den besessenen Howells daran, eine Suche nach der verlorenen Festplatte zu starten.

Stefan Thomas, ehemaliger Chief Technology Officer (technischer Direktor) von Ripple, verlor den Zugang zu 7.002 Bitcoin (heute etwa 777 Millionen US-Dollar), nachdem er das Passwort seiner IronKey-Festplatte vergessen hatte, die sich nach zehn fehlgeschlagenen Versuchen dauerhaft sperrt. Im Januar 2021, mit nur noch zwei verbleibenden Versuchen, schilderte Thomas der New York Times seine wiederholten, verzweifelten und erfolglosen Bemühungen, den Zugang zurückzuerlangen.

Auch Todesfälle tragen zur Unzugänglichkeit von Bitcoin bei, wenn Besitzer ohne Nachlasspläne sterben. Gerald Cotten, Chief Executive Officer (Geschäftsführer) der kanadischen Kryptobörse QuadrigaCX, starb 2018 angeblich, ohne preiszugeben, wie auf Kundengelder in Höhe von 190 Millionen US-Dollar zugegriffen werden kann, darunter beträchtliche Bestände an Bitcoin.

Der rumänische frühe Bitcoin-Miner Mircea Popescu ertrank 2021 an einem Strand in Costa Rica. Es wird weithin gemunkelt, dass er bis zu 1 Million Bitcoin unzugänglich hinterließ (potenziell 111 Milliarden US-Dollar wert). Während die genaue Größe von Popescus Beständen nicht bewiesen ist, war er für beträchtliche Mengen bekannt.

Und dann ist da noch der Schöpfer von Bitcoin, Satoshi Nakamoto, der im April 2011 spurlos verschwand und dabei schätzungsweise 1 Million zwischen 2009 und 2010 geschürfte Bitcoin zurückließ. Dieses „Satoshi-Vermögen“ ist nun möglicherweise für immer verloren oder wurde absichtlich als „Spende“ an das Netzwerk ruhen gelassen.

Wie groß ist der Verlust?

Unterschiedliche Studien versuchen mit Blockchain-Analysen, Inaktivitätsmetriken und menschlichem Verhalten die Zahl Schätzung des Verlustausmaßes

Doch wie viele Coins könnten tatsächlich für immer verloren sein? Zahlreiche Studien haben Blockchain-Analysen, Metriken zur Inaktivität von Wallets und sogar menschliches Verhalten herangezogen, um das Ausmaß der verlorenen und unzugänglichen Bitcoin einzugrenzen.

In einem Bericht vom Mai 2025 verweist Ledger auf Analystenschätzungen von 2,3 – 3,7 Millionen verlorenen Bitcoin, was 11 – 18 % des maximalen Bestands von 21 Millionen entspricht. (vgl. Ledger) Timothy Peterson von Cane Island Digital schätzte in einem Bericht vom Juni 2025 (vgl. X), dass über 6 Millionen Bitcoin (vgl. X) unwiderruflich verloren seien, möglicherweise bis Ende 2025 sogar 7 Millionen.

Im Jahr 2023 schätzte Glassnode, die Blockchain-Daten- und On-Chain-Analyseplattform, dass etwa 7,8 Millionen Bitcoin oder 39 % der geschürften Menge entweder „gehodlt oder verloren“ seien. (Vgl. X) Diese Zahl könnte allerdings überhöht sein, da auch absichtlich ruhende Wallets einbezogen wurden. Diese Schätzung basierte auf einer Glassnode-Studie in Zusammenarbeit mit ARK Invest (vgl. Ark Invest), die eine Kennzahl namens „Vaulted Supply“ verwendete, also „gehodlte oder verlorene Coins“. Diese „multipliziert den Umlaufbestand mit dem Grad der Verwahrung, um die Anzahl der Coins zu messen, die nicht bewegt wurden. Entweder sie befinden sich in starken Händen oder sie sind verloren.“ (Vgl. Ark Invest)

Im Juni 2025 schätzte Fidelity Digital Assets, dass die sogenannte „Ancient Supply“ [Bitcoin-Bestand, der sich seit mindestens 10 Jahren nicht bewegt hat] über 17 % der gesamten ausgegebenen Menge ausmacht, was in Bitcoin mehr als 3,3 Millionen Coins entspricht. (Vgl. X) Ende 2024 nannte River Financial, ein Bitcoin-Finanzinstitut, 3 – 4 Millionen verlorene Bitcoin. (Vgl. Web Archive)

Trotz unterschiedlicher Methoden kommen diese Studien insgesamt auf eine Bandbreite von 2,3 – 7,8 Millionen verlorenen Bitcoin. Höhere Schätzungen wie die von Glassnode und Peterson könnten übertrieben sein, da sie ruhende und tatsächlich verlorene Coins zusammenfassen. Doch unabhängig von der genauen Zahl zeigt diese Spanne einen erheblichen und wachsenden Verlust von Bitcoin auf, der die Knappheit des verbleibenden Angebots verstärkt.

Verluste im Vergleich zu ETFs und Unternehmensreserven

Der Vergleich dieser Verlustspanne mit den öffentlichkeitswirksamen Beständen von Bitcoin-ETFs und Unternehmensreserven ist aufschlussreich. Im August 2025 hielten Spot-Bitcoin-ETFs zusammen etwa 1.036.000 Bitcoin oder 5 – 6 % der bislang rund 19,9 Millionen geschürften Coins, wobei Blackrocks IBIT davon allein etwa 555.000 Bitcoin verwaltete.

Unternehmen und ihre Finanzreserven stellen eine weitere Ebene dar: Laut der Website Bitcoin Treasuries hielten die 100 größten Unternehmen zusammen 988.000 Bitcoin (5 % des geschürften Gesamtbestands). (Vgl. BitcoinTreasuries) Angeführt wird die Liste von MicroStrategy (umbenannt in Strategy) mit 632.457 Bitcoin, gefolgt von bekannten Namen wie MARA Holdings (50.639 Bitcoin), Riot Platforms (19.225 Bitcoin) und dem japanischen Metaplanet (18.113 Bitcoin).

Die Kombination aus ETF- und Unternehmensbeständen ergibt etwa 2,2 Millionen Bitcoin – und damit weniger als die Untergrenze der geschätzten verlorenen 2,3 Millionen. Dies verdeutlicht das enorme Ausmaß unzugänglicher Coins. Mit anderen Worten: Es existiert ein verborgener Angebotsschock, den der Markt bisher nicht vollständig verarbeitet hat und der sowohl die Zuflüsse in US-Bitcoin-ETFs als auch Michael Saylors Kaufrausch bei Weitem übertrifft.

Ausgehend von einem zirkulierenden Bestand von 19,9 Millionen Bitcoin, bleiben nach Abzug von 5 Millionen verlorenen Coins (mittlere Schätzung) und 2,2 Millionen institutionellen Beständen rund 12,7 Millionen Bitcoin in den Händen von Privatpersonen. Geht man davon aus, dass 30 % davon (rund 3,8 Millionen) von Langzeitinvestoren gehodlt werden, deckt sich das mit Glassnodes Schätzung von 70 % „unbewegtem Bestand“. In dieser Zahl sind allerdings auch institutionelle Bestände sowie teilweise fälschlich als verloren eingestufte Coins enthalten.

Schrumpfendes frei handelbares Angebot

Damit lässt sich das frei handelbare Angebot von Bitcoin berechnen, also die Menge, die tatsächlich am öffentlichen Markt verfügbar ist: 19,9 Millionen bislang geschürfte Bitcoin, abzüglich 5 Millionen (verloren), abzüglich 2,2 Millionen (institutionell gehalten), abzüglich 3,8 Millionen (von Privatpersonen gehodlt) ergibt ein frei handelbarer Bestand von nur 8,9 Millionen Bitcoin. Das entspricht 42 % des maximal möglichen Bestands von 21 Millionen und 45 % des zirkulierenden Angebots. Damit liegt der Wert deutlich unter dem frei handelbaren Angebot von S&P 500 Aktien, das bei 70 – 90 % liegt. Dort gibt es keine „verlorenen“ Anteile, da das zentrale System diese jederzeit neu ausgeben kann, im Gegensatz zur unerbittlichen Blockchain von Bitcoin.

Die gemeldete Marktkapitalisierung von über 2,1 Billionen US-Dollar (19,9 Millionen mal 109.000 US-Dollar) ist daher ebenfalls eine Illusion und um rund 500 Milliarden US-Dollar zu hoch angesetzt, weil verlorene „Geister-Coins“ mitgerechnet werden. Bei 5 Millionen verlorenen Coins beträgt das tatsächliche Angebot rund 14,9 Millionen Bitcoin, was zu einer realen Marktkapitalisierung von etwa 1,6 Billionen US-Dollar führt.

Fazit

Bitcoin ist knapper, als es der Markt erkennt. Zwischen 2,3 und 7,8 Millionen verlorene Coins (11 – 37 %) verringern das verfügbare Angebot von 19,9 Millionen auf nur noch 12,1 – 17,6 Millionen. Unwiederbringlich verlorene Coins erhöhen den Wert jedes verbleibenden Coins und verstärken die Erzählung von Bitcoin als Wertspeicher, der noch seltener ist als Gold. Die weithin akzeptierte Marktkapitalisierung von 2,1 Billionen US-Dollar ist um etwa 500 Milliarden US-Dollar überhöht – der tatsächliche Wert liegt näher bei 1,6 Billionen US-Dollar.

Dieser stille Angebotsschock, der die institutionelle Nachfrage bei Weitem übertrifft und von den Mainstream-Medien ignoriert oder unterschätzt wird, macht Bitcoin nicht nur zu digitalem Gold, sondern zu einem Vermögenswert von unvergleichlicher Seltenheit. Er birgt zudem das Potenzial für einen gewaltigen Preissprung, sobald der Markt die größere Knappheit erkennt – mit einem frei handelbaren Angebot, das kaum die Hälfte des gesamten Bestands ausmacht.

Quelle: Zerohedge

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