Britisches Dorf lehnt sich gegen adeligen Grossgrundbesitzer auf: Der Graf von Leicester habe sich die Länderei „zu Unrecht“ angeeignet

von | 2. Jan. 2024

Das landwirtschaftliche Anwesen Holkham Hall erstreckt sich über 25.000 Hektar und ist im Besitz von Thomas Coke, dem Earl of Leicester. Holkham Hall ist eines der prächtigsten Herrenhäuser des Landes und steht im Mittelpunkt eines erbitterten Rechtsstreits über die Eigentumsverhältnisse. Das riesige Anwesen hat einen Wert von über 200 Millionen Pfund, liegt an der Küste von Nord-Norfolk und wird von Jake Fiennes geleitet.

Die malerischen Sümpfe von Burnham Overy Staithe, in der Nähe von Brancaster, stehen jedoch im Mittelpunkt eines außergewöhnlich heftigen Streits, bei dem die Dorfbewohner die Macht und den Einfluss des örtlichen „Gutsherrn“ in Frage stellen. Die Dorfbewohner behaupten, dass mehr als 3.000 Morgen Land rechtmäßig Gemeindeland sei. Sie behaupten auch, dass der Graf von Leicester, der in der Nähe von Holkham Hall wohnt, diesen Teil des Gebiets zu Unrecht als sein Eigentum beansprucht hätte und, dass das Land zu Unrecht als Privateigentum behandelt wird.

Segler und Bootsbenutzer müssen für das Anlegen und Starten auf den beliebten Wasserstraßen Gebühren entrichten. Die Gebühren werden von der Burnham Overy Harbour Trust eingefordert, die das Land vom Holkham Estate pachtet.

Der achte Earl of Leicester, Thomas Coke – ein gewählter erblicher Adliger im „House of Lords“, der Ehrenpage von Königin Elisabeth II. war – besteht darauf, dass das Land rechtmäßig zu seinem Besitz gehört.

Der Streit wurde in den letzten Wochen vor dem Norwich Magistrates‘ Court verhandelt, endete aber mit einer Niederlage für die Dorfbewohner. Das Gericht entschied gegen sie. Die Dorfbewohner schworen jedoch, ihren Kampf fortzusetzen. Mit durchschnittlichen Hauspreisen von 1 Million Pfund erhielt der Küstenabschnitt um Holkham den Beinamen „Chelsea-on-Sea“, denn immer mehr Einwohner aus London kaufen dort Zweitwohnungen oder Ferienhäuser.

Die vor vierzig Jahren gegründete Scolt Head and District Common Rights Holders‘ Association vertritt seit jeher die Auffassung, dass das Land gemäß den historischen „Enclosure Acts“ aus dem 18. Jahrhundert dem Gemeindeverband Burnham Overy gehört. Die Dorfbewohner sind jedoch der Ansicht, dass der Graf das Land 2012 unrechtmäßig in das Holkham-Anwesen eingetragen und an den Burnham Overy Harbour Trust verpachtet hat. Dieser erhebt zu Unrecht Gebühren für Liegeplätze und Lizenzen für das Ablegen von Booten.

Rod Cooke, Sekretär der Scolt Head and District Common Rights Holders Association, warf dem Holkham Estate und dem Holkham Trust vor, sich „Eigentum anzueignen, das ihnen nicht gehört“.

Das Gemeindeland wurde uns weggenommen und wird nun als Privateigentum genutzt. Gemeindeland gilt als nicht `kommerziell verwertbar`, sie dürfen nicht davon profitieren. Was sie getan haben, ist illegal, und es gibt keine Möglichkeit für die Inhaber von Gemeindelandrechten, Gerechtigkeit zu erlangen.

Der Earl of Leicester, der sich selbst als Landbesitzer bezeichnet, und die Stiftung, wollen nicht mit uns verhandeln – sie glauben nicht, dass wir bei der Verwaltung des Landes, das wir besitzen, eine Rolle spielen.

Rod Cooke

Das Landgut Holkham sagt jedoch, dass es zwischen 2009 und 2015 erfolgreich das Eigentum an einer Insel im Hafen von Burnham Overy, die traditionell „77 Acres“ genannt wird, bei HM Land Registry registriert hat. Es bestreitet, Eigentümer des Naturschutzgebiets „Scolt Head Island“ zu sein, das nach eigenen Angaben beim National Trust und bei Natural England liegt.

Peter Mitchell, Geschäftsführerdes Anwesens, sagte:

Das Eigentum an diesem Land wurde etwa vier oder fünf Jahre nach seiner Eintragung angefochten.

Holkham hat in den Unterlagen des Anwesens nachgeschaut und damals die Möglichkeit eingeräumt, dass die „77 Acres“ nicht rechtmäßig im Besitz des Vorbesitzers waren. Dieser hatte 1922 einen großen Landblock um die Burnhams an das Holkham-Anwesen verkauft. Sollte sich dieses Gegenargument als wahr erweisen, wäre das Eigentum höchstwahrscheinlich von seinem Status als nicht eingezäuntes Land in den Besitz des Gemeinderats oder des Bezirksrats übergegangen.

Der Gutsbetrieb Holkham sagte auch, dass er in den letzten Jahren eng mit dem Gemeinderat zusammengearbeitet hätte. Die Behörde sei zu dem Schluss gekommen, dass sie „weder das Eigentum übernehmen muss, noch will“. Holkham beschloss daher zu diesem Zeitpunkt, das Eigentum nicht an den Gemeinderat zu übertragen, sondern weiterhin die Verantwortung für die Verwaltung dieses wichtigen, natürlichen Lebensraums zu übernehmen.

Die Scolt Head and District Common Rights Holders Association hatte den Burnham Overy Harbour Trust vor dreißig Jahren bei der Charity Commission angezeigt. 2019 erklärte die Kommission jedoch, dass sie aufgrund der Beschwerden keine Maßnahmen ergreifen werde. Er sagte, beide seien von der Kommission und dem Trust „unrechtmäßig verletzt worden“.

Im Bild: Das riesige Landgut wird von Jake Fiennes geleitet

Herr Cooke stellte bei der Kommission einen Antrag auf Informationsfreiheit und bat um Korrespondenz zwischen der Aufsichtsbehörde und dem Trust. Die Kommission verweigerte jedoch einige Informationen mit dem Argument, dass das öffentliche Vertrauen in Wohltätigkeitsorganisationen aus Angst vor Konsequenzen verloren gehen könnte, wenn sie die Korrespondenz von Treuhändern offenlegen würde.

Cooke legte Berufung ein. Jedoch genau dieser Fall wurde in den letzten Wochen von einem Gericht am Norwich Magistrates‘ Court abgewiesen.

Er erklärte:

Wir könnten den Trust wegen `unbefugten Betretens von Gemeindeland` verklagen. Aber wenn man es mit Organisationen zu tun hat, die über Tausende von Pfund verfügen, können wir es einfach nicht mit ihnen aufnehmen, weil wir nicht über diese Art von Mitteln verfügen.

Quelle: MailOnline

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