Während Hongkong mit einem neuen Lizenzrahmen für Stablecoins versucht sich als globales Zentrum für digitale Vermögenswerte zu positionieren bleibt vieles widersprüchlich. Einerseits könnten die Banken von gelockerten Kapitalanforderungen profitieren: Sie müssten künftig nicht mehr das 1.250 Fache ihrer Kryptobestände als Eigenkapital hinterlegen was Stablecoins und andere digitale Vermögenswerte attraktiver macht. Für Halter kann dies aber ein zweischneidiges Schwert sein denn geringere Eigenkapitalpuffer bedeuten auch weniger Schutz in Krisenzeiten und erhöhen im Zweifel das Risiko wenn plötzlich viele Investoren gleichzeitig ihre Stablecoins einlösen wollen.
Dazu kommt, dass Hongkong zwar aktiv Stablecoins entwickeln lässt, etwa an den Hongkonger Dollar gekoppelte Projekte, gleichzeitig aber chinesische Unternehmen und Banken durch politischen Druck offenbar von einer Teilnahme ausgeschlossen werden. Besonders die Zurückhaltung großer Institute wie HSBC oder der Industrial and Commercial Bank of China wirft Fragen zur Höhe der regulatorischen Anforderungen auf. Vielleicht will Peking auch nicht, dass über Hongkong privatwirtschaftliche Stablecoins entstehen die dann mit den eigenen Währungsplänen konkurrieren.
Denn China verfolgt eine ganz andere Strategie. Auf dem Festland ist der Handel mit Kryptowährungen seit Jahren (2021) verboten. Stattdessen setzt die Regierung auf den digitalen Yuan (eCNY), Chinas digitale Zentralbankwährung. Er bedeutet volle staatliche Kontrolle über jede Transaktion, ist programmierbar und lässt sich mit dem chinesischen Sozialkreditsystem verknüpfen. Damit ist der digitale Yuan kein Fortschritt, sondern Teil einer totalen Überwachung des Zahlungsverkehrs. Zum Glück für unsere chinesischen Mitmenschen ist das Sozialkreditsystem bislang aber kein geschlossenes, einheitliches System, sondern eher ein Flickenteppich aus staatlichen Datenbanken, Punktesystemen und schwarzen Listen. In verschiedenen Regionen und Branchen werden dabei Informationen zu Zahlungen, Gerichtsurteilen, Vertragsverstößen oder Verkehrsdelikten gesammelt. Doch mit dem digitalen Yuan (eCNY), der jede Transaktion vollständig nachvollziehbar macht und programmierbar ist, bekommt das System ein mächtigen Kontroll-Verbündeten, der aus dem bisher fragmentierten Netz ein zentral gesteuertes Überwachungssystem macht, das nicht nur bewertet, sondern unmittelbar den Zugang zu Geld und damit auch zum alltäglichem Leben kontrolliert.
Kryptowährungen in Hongkong: China verhängt Beschränkungen für Stablecoins
Magali – 12. September 2025
Keine Stablecoins für chinesische Unternehmen? Die heutigen Nachrichten kommen aus Hongkong, wo die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) [Aufsichtsbehörde für Banken und Finanzinstitute] ihre Kapitalanforderungen für Banken, die in digitale Vermögenswerte einsteigen möchten, möglicherweise überarbeitet. Doch das ist nicht alles! Während der regulatorische Rahmen für Stablecoins gerade erst in Kraft getreten ist, scheint es, dass chinesische Unternehmen, die in Hongkong tätig sind, mit Einschränkungen bei ihrer Teilnahme an diesem Sektor konfrontiert werden könnten. Ein Überblick.
Die wichtigsten Punkte dieses Artikels:
- Die Hong Kong Monetary Authority (HKMA hat erwogen, die Kapitalanforderungen für Banken zu lockern, die in digitale Vermögenswerte investieren möchten.
- Chinesische Unternehmen, die in Hongkong tätig sind, könnten trotz der Ambitionen einiger großer Banken von der Vergabe von Stablecoin-Lizenzen ausgeschlossen werden.
Die HKMA könnte die Regeln für kryptofreundliche Banken lockern
Laut einem Bericht von Caixin [neue Finanzen – chinesisches Wirtschafts- und Finanzmedium] erwägt die Hong Kong Monetary Authority (HKMA), die Kapitalregeln für Banken zu lockern, die Kryptowährungen halten. (Vgl. Caixin)
Derzeit müssen Banken Eigenkapital in Höhe von 1.250 % des Wertes ihrer Bestände an Kryptowährungen vorhalten, eine Anforderung, die für Stablecoins und andere digitale Vermögenswerte gesenkt werden könnte. (Vgl. Caixin)
Diese Entscheidung soll Banken dazu ermutigen, Stablecoins zu akzeptieren, die den Vorschriften in Hongkong entsprechen, und Investitionen in digitale Vermögenswerte auf öffentlichen Blockchains fördern.
Chinesische Unternehmen unter Druck
Trotz dieser möglichen Erleichterungen für Banken könnten chinesische Unternehmen, die in Hongkong tätig sind, gezwungen sein, sich aus Aktivitäten im Zusammenhang mit Kryptowährungen zurückzuziehen. Laut Caixin dürften die Hongkonger Niederlassungen mehrerer Staatsunternehmen und chinesischer Banken nicht an dem Rennen um eine Stablecoin-Lizenz in Hongkong teilnehmen.
Diese Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Schwergewichte wie HSBC [britische Großbank mit internationalem Geschäftsschwerpunkt] und die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) [größte Geschäftsbank Chinas nach Bilanzsumme] ihre Absicht bekundet hatten, Lizenzen für Stablecoins in Hongkong zu beantragen. Angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen scheint es jedoch, dass diese Institute ihre Pläne möglicherweise aufgeben.
Während sich Hongkong weiterhin als Zentrum für Kryptowährungen positioniert, könnten chinesische Unternehmen letztlich auf der Strecke bleiben. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Situation in den kommenden Monaten entwickeln wird.
Quelle: Journal du Coin
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