Ethereum zwischen Mainchain-Renaissance und Layer-2-Identitätskrise

von | 15. Feb. 2026

Veränderungen gehen schnell, und in der Kryptowelt sogar sehr schnell. Es ist noch nicht so lange her, dass die Gebühren auf Ethereum, das sogenannte Gas, extrem überteuert waren. In dieser Zeit sind viele Layer-2-Lösungen entstanden, also Lösungen, die sich an die Mainchain anstöpseln und dadurch Transaktionen mit sehr geringen Kosten und hoher Geschwindigkeit bereitgestellt haben. Doch die Mainchain von Ethereum wird wieder zunehmend interessant. Einer der Gründe dafür sind die weltweit verschärften Regelungen gegen Dezentralität: Alles muss kontrolliert und nachverfolgbar sein. Das hat manchen Konzepten starken Gegenwind beschert, sodass sie die Dezentralität teilweise quasi aufgegeben haben. Daran sehen wir einmal mehr die Größenordnung der Auswirkungen von Gesetzen, die nahezu nie für Freiheit und Selbstbestimmung stehen.

Warum Ethereum seine „Rollup-first“-Strategie im Jahr 2026 überdenkt

Ishika Kumari – 9. Februar 2026

Über Jahre hinweg priorisierte Ethereum Sicherheit auf der Mainchain, während Layer-2-Lösungen für Geschwindigkeit und Skalierbarkeit zuständig waren. Innerhalb des Ökosystems galten Layer 2 als „branded shards“ [frei übersetzt: gebrandete Shards, also ausgelagerte, aber eng angebundene Netzwerkteile] und als direkte Erweiterungen des Netzwerks.

Bis 2026 entsprach diese Vorstellung jedoch nicht mehr der tatsächlichen Entwicklung des Ökosystems. Das räumte auch Vitalik Buterin ein, indem er feststellte, dass Layer-2-Netzwerke längst nicht mehr ausschließlich als Skalierungswerkzeuge fungieren.

Steigende Gas-Limits und kontinuierliche technische Upgrades verbesserten die Leistungsfähigkeit der Mainchain schneller als erwartet. Gleichzeitig verlangsamten viele Layer-2-Projekte ihre Bemühungen um Dezentralität oder gaben diese ganz auf, unter anderem aufgrund regulatorischer und wirtschaftlicher Zwänge.

Zusammen führten diese Entwicklungen zu Unsicherheit und definierten das Verhältnis zwischen Layer 1 und Layer 2 neu.

Dabei lassen sich drei zentrale Veränderungen identifizieren, die diesen Wandel in der Layer-2-Landschaft von Ethereum erklären.

Die Identitätskrise von Layer 2

In einer aktuellen Folge von Unchained diskutierten Austin Griffith und Karl Floersch über die Zukunft von Layer 2, während Vitalik Buterin die Frage aufwarf, ob Ethereums ursprüngliche Skalierungsvision heute noch sinnvoll sei. (Vgl. YouTube)

Erstens skaliert Ethereum inzwischen deutlich effektiver aus eigener Kraft, ermöglicht durch höhere Gas Limits und fortlaufende technische Verbesserungen.

Diese Maßnahmen erhöhen die Netzwerkkapazität und verringern die Abhängigkeit von Layer-2-Lösungen, um grundlegende Bezahlbarkeit sicherzustellen. Infolgedessen spielen Layer 2 keine unverzichtbare Rolle mehr bei der Senkung von Transaktionskosten.

Zweitens haben viele Layer-2-Netzwerke in den vergangenen Jahren ihre Fortschritte in Richtung vollständiger Dezentralität verlangsamt.

Regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen haben mehrere Projekte dazu bewegt, sich von konsequenter Dezentralität zu entfernen. Dadurch wird die ursprüngliche Idee geschwächt, dass Layer 2 das Vertrauens- und Governance-Modell von Ethereum nahezu spiegeln.

Drittens operieren Layer-2-Netzwerke heute mit sehr unterschiedlichen Vertrauensniveaus innerhalb des Ökosystems. Anstatt einheitlich „reines Ethereum“ zu bleiben, bewegen sie sich auf einem breiten Spektrum.

Einige Netzwerke sind weiterhin eng durch Ethereum abgesichert, während andere deutlich unabhängiger agieren und entsprechend höhere Risiken mit sich bringen.

Zusammen zeigen diese Entwicklungen, dass Layer 2 nicht länger als bloße Erweiterungen von Ethereum fungieren. Stattdessen bilden sie ein vielfältiges Ökosystem mit unterschiedlichen Rollen und Prioritäten, was das Verständnis von Skalierung auf Ethereum grundlegend verändert.

Da Ethereum selbst effizienter skaliert und viele Layer-2-Netzwerke nur noch teilweise dezentralisiert sind, stellt sich zunehmend eine zentrale Frage …

Wozu entwickeln sich Layer 2?

Laut Karl Floersch hängt die Antwort davon ab, ob Ethereum lediglich als Netzwerk oder als gemeinsame Kultur verstanden wird. Projekte wie Optimism begannen als Erweiterungen von Ethereum, haben sich jedoch zu eigenständigen Plattformen entwickelt.

Floersch erklärte dazu:

„Optimism wurde gebaut, um Ethereum zu skalieren und Fortschritte an der technologischen Grenze zu ermöglichen.“

Schneller und günstiger zu sein reicht damit nicht mehr aus. Layer-2-Netzwerke benötigen heute klare Anwendungsfälle und einen überzeugenden Mehrwert, um relevant zu bleiben. Parallel dazu gewinnt die Ethereum-Mainchain wieder an Bedeutung.

Das übergeordnete Ziel

Mit sinkenden Gebühren und weiterhin unübertroffener Sicherheit kehren Entwickler zunehmend zu Layer 1 zurück.

Niedrigere Kosten, stärkere Sicherheitsgarantien und wachsende, durch künstliche Intelligenz getriebene Aktivitäten machen die Mainchain wieder attraktiver, insbesondere für anspruchsvolle Anwendungen, bei denen Sicherheit wichtiger ist als reine Geschwindigkeit.

Gleichzeitig zeigt sich, dass trotz stark wachsender Nutzung von Layer-2-Netzwerken die Menge an Kapital, die sie absichern, weiter abnimmt.

Dies fällt zeitlich mit Buterins jüngster Einschätzung zusammen, dass Ethereums ursprüngliche „Rollup-first“-Strategie nicht mehr den aktuellen Realitäten entspricht.

Daten von L2Beat zeigen, dass Nutzer Rollups zunehmend für schnelle und günstige Transaktionen einsetzen, während immer weniger Vermögenswerte unter dem Sicherheitsniveau von Ethereum verbleiben.

Diese wachsende Lücke verdeutlicht, dass sich Layer 2 zunehmend zu ausführungsorientierten Plattformen entwickeln, anstatt zentrale Wertaufbewahrungsorte zu sein. Genau das zwingt Ethereum dazu, die langfristige Rolle von Layer 2 im eigenen Ökosystem neu zu bewerten.

Abschließende Gedanken

  • Teilweise Dezentralisierung hat sich für viele Rollups zu einer strukturellen Schwäche entwickelt, die langfristiges Vertrauen und institutionelle Akzeptanz begrenzt.
  • Layer-2-Netzwerke werden zunehmend weniger an ihrer technischen Leistungsfähigkeit gemessen, sondern an ihrer tatsächlichen Passung zwischen Produkt und realem Marktbedarf.

Quelle: AMBCrypto

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