Die Pleite von FTX liegt inzwischen etwa dreieinhalb Jahre zurück, und dennoch ist manches bis heute nicht so klar, wie es nach außen den Eindruck macht. Das letzte Ereignis kam vom inhaftierten ehemaligen CEO Sam Bankman-Fried (SBF). Er stellte einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens, den er sogar „pro se“ eingereicht hatte, was bedeutet, dass er sich selbst vertrat. In der Regel wählt man diesen Weg nur, wenn man sich seiner Sache sehr sicher ist.
Er führte Zeugen an, die belegen sollten, dass die angeblichen Opfer ihr Geld im Rahmen des Insolvenzverfahrens zurückerhalten hätten oder dass FTX tatsächlich nie in finanziellen Schwierigkeiten gewesen sei. Der Richter stufte die Zeugen jedoch als nicht glaubwürdig ein, und der Antrag wurde abgelehnt.
Bereits im März 2025 haben wir einen Artikel zum Thema eines möglicherweise bewusst herbeigeführten Bankrotts von FTX veröffentlicht. Diesen findest du in den Artikelempfehlungen.
„Reif für eine Entscheidung“ – Richter Kaplan weist Wiederaufnahme-Antrag des ehemaligen FTX-CEO zurück
Sam Bankman-Fried (SBF) unternahm einen letzten Versuch vor Gericht, doch Richter Lewis A. Kaplan blockierte diesen vollständig.
Ishika Kumari – 29. April 2026
In einer aktuellen Entwicklung rund um den ehemaligen FTX-CEO Sam Bankman-Fried hat Richter Lewis A. Kaplan dessen Antrag auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens offiziell abgelehnt.
Eingereicht am 28. April veröffentlichte Richter Kaplan ein „Memorandum and Order“ [Denkschrift und Anordnung] und stellte fest, dass die Regierung eine umfassende und gründliche Gegenargumentation eingereicht hatte.

Quelle: CourtListener [Online-Datenbank für US-Gerichtsentscheidungen und -dokumente]
Vereinigte Staaten Bezirksgericht
Südlicher Bezirk von New York
Vereinigte Staaten von Amerika,
-gegen-
Samuel Bankman-Fried,
Angeklagter.
Denkschrift und Anordnung zur Ablehnung des Antrags auf eine neue Verhandlung
Lewis A. Kaplan, Bezirksrichter.
Samuel Bankman-Fried wurde beschuldigt, einer der Drahtzieher eines der größten Finanzbetrugsfälle in der amerikanischen Geschichte gewesen zu sein. Konkret wurde ihm in zwei Anklagepunkten Überweisungsbetrug [Wire Fraud: Betrug über elektronische Kommunikationsmittel]/, in zwei weiteren Punkten Verschwörung zum Überweisungsbetrug sowie in zusätzlichen Punkten Verschwörung zum Wertpapierbetrug, Rohstoffbetrug und Geldwäsche vorgeworfen. Nach einem langen Geschworenenprozess, in dem er ausführlich aussagte, wurde er in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen und im Wesentlichen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 300 Monaten verurteilt. Seine Berufung ist derzeit vor dem Berufungsgericht anhängig.
Als weiteren Grund für die Ablehnung führte der Richter an, dass das Gericht SBF zusätzliche Zeit eingeräumt hatte, um auf die Argumente der Regierung zu reagieren. Da SBF diese Frist jedoch verstreichen ließ, entschied Richter Kaplan, das Verfahren fortzuführen, und formulierte es wie folgt:
„Dementsprechend ist der Antrag reif für eine Entscheidung.“
Was veranlasste den ehemaligen FTX-CEO, eine neue Verhandlung zu beantragen?
Zum Hintergrund: Bankman-Fried wurde verhaftet, weil er als Drahtzieher eines umfangreichen Finanzbetrugs galt. Im November 2023 befand ihn eine Jury in New York in allen sieben Anklagepunkten für schuldig, Investoren, Kreditgeber und Nutzer von FTX betrogen zu haben.
Darunter fielen schwerwiegende Finanzvergehen wie Verschwörung, Geldwäsche und Überweisungsbetrug. Infolgedessen wurde SBF zu einer Haftstrafe von 25 Jahren verurteilt.
Dies veranlasste ihn wiederum, gegen das Urteil beim Obergericht Berufung einzulegen.
Obwohl diese Berufung noch anhängig war, reichte SBF am 5. Februar 2026 zusätzlich einen Antrag auf eine neue Verhandlung ein. Begründet wurde dies mit angeblich „neu entdeckten“ Beweisen, die seine Verurteilung widerlegen sollten.
Mit großer Zuversicht reichte er den Antrag sogar „pro se“ ein, was bedeutet, dass er sich selbst vertrat, also ohne offiziellen Anwalt agierte. Der Richter merkte jedoch an, dass es den Anschein habe, dass er dennoch professionelle Unterstützung erhalten habe.
SBF führte außerdem Zeugen an, die belegen sollten, dass die angeblichen Opfer ihr Geld im Rahmen des Insolvenzverfahrens zurückerhalten hätten oder dass FTX tatsächlich nie in finanziellen Schwierigkeiten gewesen sei.
Richter weist sämtliche Versuche von Bankman-Fried zurück
Der Richter äußerte jedoch erhebliche Zweifel an zwei der von SBF benannten Zeugen. So stellte er fest, dass Nishad Singh bereits während des ursprünglichen Prozesses gegen den Ex-CEO ausgesagt hatte und dass seine Aussagen nichts am Ausgang des Verfahrens änderten.
Auch Ryan Salame überzeugte den Richter nicht. Dieser hatte kürzlich in sozialen Medien und Podcasts behauptet, die Regierung habe gelogen und sein eigenes Schuldeingeständnis sei ebenfalls unwahr gewesen. Der Richter kommentierte dies wie folgt:
„Wenn man Salames aktuellen Aussagen Glauben schenken würde, dann hätte er unter Eid gelogen, als er sich vor diesem Gericht schuldig bekannte.“ (Vgl. CourtListener)
Der Richter ist der Ansicht, dass Salames aktuelle öffentliche Aussagen nicht der Wahrheit entsprechen und dass sein ursprüngliches Schuldeingeständnis zutreffend war.
Durch die vollständige Zurückweisung des Antrags „in allen Punkten“ hat der Richter diese Angelegenheit somit endgültig abgeschlossen. Um die Endgültigkeit zu unterstreichen, wurde der Gerichtsschreiber sogar angewiesen, eine Kopie dieser Entscheidung an SBF im Gefängnis zu senden.
Fazit
- Richter Kaplan hat den letzten Versuch des ehemaligen FTX-CEO Bankman-Fried endgültig zurückgewiesen.
- Der Richter verwarf sowohl SBFs „pro se“-Antrag als auch die Aussagen seiner Zeugen Ryan Salame und Nishad Singh.
Quelle: AMB Crypto
Artikelempfehlungen:
- War der FTX-Bankrott ein abgekartetes Spiel? (März 2025)
War der FTX-Kollaps eine gezielte Zerstörung oder einfach das Ergebnis von Missmanagement?
Sam Bankman-Fried verteidigt sich aus dem Gefängnis und macht Regulierer, politische Gegner und Insolvenzverwalter für den Niedergang seiner Krypto-Börse verantwortlich. - FTX und der „Guten-Morgen-Effekt“: Wie zwei Buchstaben den FTT-Token explodieren ließen
Trotz seiner 25-jährigen Haftstrafe bleibt Sam Bankman-Fried eine prägende Figur in der Kryptobranche.
Ein kurzer Social-Media-Post ließ den FTT-Token über 30 Prozent nach oben steigen und das Handelsvolumen hat vervielfacht.
Parallel versucht der FTX Recovery Trust über eine Klage gegen Genesis Digital Assets 1,1 Milliarden US-Dollar für Gläubiger zurückzuholen.
„Bye Bye Staat & Hallo Freiheit“
Abonniere jetzt LegitimCrypto auf Telegram!




