Quantencomputer: ein Risiko für Bitcoin und Ethereum? Heute noch nicht, aber wohl früher als erwartet.
Der folgende Artikel befasst sich mit den Aussagen von Google Quantum AI. Diese Einheit von Google kombiniert Quantencomputing-Forschung mit Methoden der künstlichen Intelligenz, und es wird daran gearbeitet, wie Quantencomputer und KI sich gegenseitig verbessern können. Also eine Beschleunigung auf beiden Seiten.
Bitcoin und Ethereum stehen vor einem Quantenrisiko: Google schlägt Alarm
Ben Canton – 31. März 2026
Die Zeit könnte knapp werden. Eine Studie von Google Quantum AI [Forschungsabteilung von Google für Quantencomputing] stellt die bisherigen Annahmen zur Sicherheit von Kryptowährungen grundlegend infrage. Laut den Forschern ist die erforderliche Rechenleistung, um die Kryptografie von Bitcoin und Ethereum zu brechen, deutlich zugänglicher als bisher angenommen. Während man bislang davon ausging, dass entsprechende Maschinen noch Jahrzehnte entfernt sind, rückt die technische Schwelle nun näher. Diese Entwicklung wirft eine direkte Frage auf: Sind die aktuellen Netzwerke bereit für das Zeitalter des Quantencomputings?
Die wichtigsten Punkte dieses Artikels:
- Google Quantum AI hat die bisherigen Annahmen zur Sicherheit von Kryptowährungen erschüttert, indem gezeigt wurde, dass die nötige Rechenleistung zum Brechen der Kryptografie von Bitcoin und Ethereum inzwischen zugänglicher ist.
- Ein Quantencomputer könnte ein kurzes Zeitfenster nutzen, um Bitcoin-Transaktionen vor ihrer Bestätigung abzufangen und umzuleiten, wodurch ein erheblicher Teil der Bitcoins verwundbar wird.
- Die Sicherheit der Netzwerke hängt nun davon ab, ob sie Post-Quanten-Kryptografie integrieren können, eine komplexe, aber entscheidende Herausforderung für die zukünftige Stabilität des Ökosystems.
Mögliche Angriffe… in wenigen Minuten
Der beunruhigendste Aspekt der Veröffentlichung von Google Quantum AI betrifft nicht eine ferne Zukunft, sondern bereits denkbare Szenarien. (Vgl. Google) Wenn eine Transaktion im Bitcoin-Netzwerk gesendet wird, wird eine entscheidende Information kurzzeitig sichtbar, bevor sie bestätigt wird. Laut der Studie könnte ein ausreichend fortgeschrittener Quantencomputer dieses Zeitfenster nutzen, um eine laufende Transaktion abzufangen und umzuleiten.
Und das Zeitfenster ist extrem kurz: nur wenige Minuten. Eine Bitcoin-Transaktion benötigt im Durchschnitt etwa zehn Minuten zur Bestätigung. Dadurch entsteht theoretisch ein reales Angriffsszenario. Die Forscher gehen davon aus, dass ein entsprechend ausgestatteter Akteur solche Angriffe in einer nicht unerheblichen Anzahl von Fällen erfolgreich durchführen könnte.
Diese Schwachstelle betrifft vor allem bereits exponierte Guthaben, insbesondere Wallet, die Adressen wiederverwendet haben oder bestimmte neuere Formate nutzen. Ein bedeutender Teil der im Umlauf befindlichen Bitcoin könnte daher anfälliger sein als bislang angenommen.
This is wild. Google Research demonstrates a ~20x more efficient implementation of Shor's algorithm that could break ECDSA keys within minutes with ~500K physical qubits.
— Haseeb >|< (@hosseeb) March 31, 2026
Google is now are more confident on a 2029 post-quantum transition. We are no longer looking at mid 2030s,… https://t.co/jGzFk5uLc0 pic.twitter.com/O4V1VbiXkf
Das ist heftig. Google Research demonstriert eine etwa 20-fach effizientere Umsetzung des Shor-Algorithmus [Quantenalgorithmus zum Faktorisieren großer Zahlen und Brechen klassischer Verschlüsselung], die ECDSA-Schlüssel [Elliptic Curve Digital Signature Algorithm, Algorithmus für digitale Signaturen auf Basis elliptischer Kurven] innerhalb von Minuten mit etwa 500.000 physischen Qubits [kleinste Informationseinheit eines Quantencomputers] brechen könnte.
Google ist nun zuversichtlicher, einen Übergang zur Post-Quanten-Kryptografie bis 2029 zu schaffen. Wir sprechen nicht mehr von der Mitte der 2030er Jahre, sondern davon, dass Quantencomputer dieser Größenordnung bereits bis zum Ende dieses Jahrzehnts existieren könnten.
Sie halten dieses Ergebnis für so gravierend, dass sie die tatsächlichen Schaltkreise nicht veröffentlichen. Stattdessen haben sie einen Zero-Knowledge-Proof [ZKP, Null-Wissen-Beweis – Verfahren, bei dem die Richtigkeit einer Aussage bewiesen wird, ohne die zugrunde liegenden Informationen offenzulegen] veröffentlicht, der belegt, dass sie einen Quanten-Schaltkreis mit diesen Eigenschaften kennen. Das ist äußerst untypisch und zeigt, dass Google die Lage als sehr ernst einschätzt.
Alle Blockchains benötigen so schnell wie möglich einen Übergangsplan. Post-Quanten ist keine Übung mehr.
Ein Wettlauf gegen die Zeit zur Sicherung der Netzwerke
Angesichts dieses Risikos wird eines klar: Die Protokolle müssen sich weiterentwickeln. Lösungen existieren bereits in Form der sogenannten Post-Quanten-Kryptografie. Ihre Implementierung ist jedoch komplex. Sie erfordert tiefgreifende Änderungen an bestehenden Systemen und die Koordination von Millionen Nutzern und Akteuren. Die Herausforderung lässt sich mit einem Triebwerkswechsel während des Flugs vergleichen, auch wenn einige Optimisten weiterhin das Gegenteil behaupten.
Das größte Problem betrifft inaktive Guthaben. Einige Bitcoins sind verloren oder werden ohne Zugriffsmöglichkeit aufbewahrt. Selbst wenn ein neuer Sicherheitsstandard eingeführt wird, könnten diese Vermögenswerte weiterhin angreifbar bleiben. Bei Ethereum ist das Risiko anders gelagert, aber ebenfalls vorhanden. Seine technische Struktur begrenzt bestimmte unmittelbare Angriffe, eröffnet jedoch langfristig andere potenzielle Angriffspunkte.
Today, Google Quantum AI published a research paper that might boost the post-quantum migration. Their team has tailored Shor’s algorithm to solve the 256-bit Elliptic Curve Discrete Logarithm Problem. ECDLP is the hard mathematical problem that secures ECDSA: the signature… pic.twitter.com/CDzn4ydN2z
— Charles Guillemet (@P3b7_) March 31, 2026
Was sich konkret verändert hat
Der Shor-Algorithmus ist seit 1994 als allgemeiner quantenbasierter Ansatz bekannt. Doch „bekannt“ und „praktisch umsetzbar“ sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Der eigentliche Fortschritt liegt in der Umsetzung: also darin, wie viele Qubits und Rechenoperationen (Gates) tatsächlich benötigt werden, wenn der Algorithmus in einen fehlertoleranten Quanten-Schaltkreis übersetzt wird.
Der letzte Durchbruch des INRIA Rennes Teams [französisches Forschungsinstitut für Informatik und Mathematik] erforderte etwa 2.100 logische Qubits für das ECDLP (Elliptic Curve Discrete Logarithm Problem, Problem des diskreten Logarithmus auf elliptischen Kurven). Die Ingenieure von Google optimierten den gesamten Schaltkreis-Stack auf rund 1.200 logische Qubits.
Der jüngste algorithmische Trend ist eindeutig: Alle 12 bis 18 Monate sinken die benötigten Ressourcen erheblich. Und dabei handelt es sich ausschließlich um algorithmische Fortschritte, die sich zusätzlich zu Verbesserungen in der Hardware summieren, welche weiterhin eine große Herausforderung darstellt.
Dennoch sind wir derzeit noch weit davon entfernt, einen solchen Quantencomputer zu besitzen. Das hat sich nicht geändert.
Zero-Knowledge-Proof
Hier wird es interessant. Google hat sich entschieden, seine optimierten Schaltkreise nicht zu veröffentlichen. Stattdessen wurde ein Zero-Knowledge-Proof (ZKP, Null-Wissen-Beweis) veröffentlicht, der bestätigt, dass ihre Schaltkreise die angegebenen Ressourcenwerte erreichen. Es besteht kein Zweifel daran, dass sie wissen, wie es funktioniert, aber nicht, wie genau (das wirkt fast wie Magie ;-)).
Die Gründe dafür sind wahrscheinlich vielfältig: Wettbewerbsvorteile, nationale Sicherheitsaspekte oder schlicht die Absicht, potenziellen Gegnern keine Blaupause zu liefern. Unabhängig davon setzt dies einen starken und eleganten Präzedenzfall.
Ironischerweise ist Googles eigener ZK-Nachweis nicht selbst post-quanten-sicher.
Was kommt als Nächstes?
Die gute Nachricht ist: Die Werkzeuge existieren bereits. Post-Quanten-Kryptografie (PQC, Post-Quantum Cryptography) ist verfügbar, nun muss die Migration erfolgen.
Vor wenigen Tagen kündigte Google an, bis 2029 vollständig post-quantenbereit sein zu wollen. Das National Institute of Standards and Technology (NIST, US-amerikanische Standardisierungsbehörde) plant, RSA-Signaturen (Rivest-Shamir-Adleman, weit verbreitetes Verschlüsselungsverfahren) bis 2030 schrittweise abzuschaffen und bis 2035 alle veralteten Algorithmen nicht mehr zuzulassen.
Die meisten Organisationen haben noch nicht einmal mit einer Bestandsaufnahme ihrer kryptografischen Systeme begonnen. Große Blockchain-Protokolle diskutieren derzeit erst über den weiteren Weg.
Kryptografie dient dazu, mathematisches Vertrauen in die Sicherheit von Systemen zu schaffen. Dieses Vertrauen wird nun untergraben, nicht durch einen bereits funktionierenden Angriff, sondern durch die zunehmend glaubwürdige Aussicht auf einen solchen. In der Sicherheit gilt: In dem Moment, in dem man beginnt, an den Grundlagen zu zweifeln, sollte man sie neu aufbauen.
Was das für Blockchains bedeutet
Für Blockchain-Ökosysteme ist die Bedrohung zentral. ECDSA (Elliptic Curve Digital Signature Algorithm) auf secp256k1 (Bitcoin) und P-256-Kurven (weit verbreitet in anderen Systemen) bildet das Fundament der Sicherheit. Anders als in klassischen Systemen, in denen Zertifikate hinter einer Unternehmens-Firewall ausgetauscht werden können, erfordert die Migration bei Blockchains eine Abstimmung über dezentrale, erlaubnisfreie Netzwerke hinweg. Dieser Prozess wird voraussichtlich Zeit benötigen.
Ich werde mich in meiner Keynote [Hauptvortrag] an diesem Donnerstag auf der EthCC-Konferenz [Ethereum Community Conference, große Entwicklerkonferenz rund um Ethereum] ausführlicher mit den konkreten Herausforderungen und Strategien für die Migration zu PQC in Blockchains und sicheren Systemen befassen.
Die Branche fordert bereits den Übergang zur Post-Quanten-Kryptografie
Der technische Leiter (Chief Technology Officer, CTO) von Ledger [Unternehmen für Hardware-Wallets] betont, dass die Veröffentlichung von Google einen wichtigen Fortschritt darstellt. Nicht, weil der Shor-Algorithmus neu wäre, sondern weil seine Umsetzung deutlich effizienter geworden ist und den Ressourcenaufwand zum Brechen aktueller Kryptografie erheblich reduziert.
Auch wenn derzeit noch kein Quantencomputer existiert, der solche Angriffe durchführen kann, ist die Entwicklung eindeutig: Die technischen Hürden sinken rapide, wodurch Angriffe in wenigen Minuten langfristig realistisch erscheinen.
In diesem Zusammenhang sei die Annahme, dass es ausreiche, öffentliche Schlüssel vorübergehend zu verbergen, nicht mehr haltbar. Google hat zudem seine Methoden nicht offengelegt und lediglich einen Zero-Knowledge-Nachweis geliefert, der die Machbarkeit bestätigt, ohne konkrete Anleitungen zu geben.
Für den CTO von Ledger ist das Risiko daher nicht unmittelbar, aber ausreichend konkret, um bereits jetzt den Übergang zur Post-Quanten-Kryptografie einzuleiten. Die Frage ist also nicht mehr, ob dieser Übergang stattfinden wird, sondern wann. Eine weitere Studie, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurde, bestätigt diese Einschätzung. (Vgl. arXiv)
Die Studie von Google bedeutet nicht, dass Bitcoin oder Ethereum unmittelbar in Gefahr sind. Sie verändert jedoch die Wahrnehmung des Zeitrahmens. Was bislang als fernes Risiko galt, wird zu einer konkreten Perspektive. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, und die Fähigkeit der Entwickler, diese Transformation frühzeitig umzusetzen, wird über die zukünftige Stabilität des gesamten Ökosystems entscheiden.
Eines steht fest: Die Sicherheit von Kryptowährungen hängt nicht mehr nur von Mathematik ab, sondern auch von ihrer Fähigkeit, sich an eine Technologie anzupassen, die sich offenbar schneller entwickelt als erwartet.
Quelle: Journal du Coin
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