Iran als Krypto-Lehrstück: Überwachung möglich, Kontrolle nur begrenzt

von | 20. Jan. 2026

Am Beispiel Irans, wo die Kryptoaktivitäten stark zugenommen haben, zeigt sich deutlich der Unterschied zwischen Kontrolle und Überwachung im Verhältnis zu den tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten. Dabei kommt es stark auf die jeweilige Kryptowährung an. Wir berichteten bereits mehrfach über die Gefahr, dass beispielsweise Stablecoins eingefroren werden können, sowie über die Nutzung zentralisierter Börsen, die gesetzlich reguliert sind und ebenfalls Konten sperren können. Dem gegenüber stehen selbstverwahrende Wallets, bei denen – mit Ausnahme von Privacy Coins – Transaktionen zwar nachverfolgt werden können, für Außenstehende jedoch keine direkte Eingriffsmöglichkeit besteht.

Dass dies den Iranern bewusst ist, zeigt sich darin, dass Gelder zunehmend von zentralisierten Börsen auf selbstverwahrte Wallets transferiert werden.

Irans Kryptoökonomie explodiert auf über 7,78 Milliarden US-Dollar – trotz Protesten, Krieg und Sanktionen

Chayanika Deka – 16. Januar 2026

Irans Kryptowährungsökosystem erreichte im Jahr 2025 ein Gesamtaktivitätsvolumen von mehr als 7,78 Milliarden US-Dollar und wuchs über weite Teile des Jahres schneller als noch 2024. Das geht aus einem neuen Bericht des Blockchain-Analyseunternehmens Chainalysis hervor.

Dieses Wachstum vollzog sich vor dem Hintergrund zunehmender politischer, wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Belastungen für das Land, darunter internationale Sanktionen, hohe Inflation, innenpolitische Unruhen und eine eskalierende regionale Konfliktlage.

Kriege, Proteste und eine abstürzende Währung

In seinem aktuellen Bericht erklärte Chainalysis, dass Irans Kryptoaktivitäten zunehmend großen politischen und geopolitischen Ereignissen folgen. Die On-Chain-Transaktionsvolumina [direkt auf der Blockchain abgewickelte Transaktionen] stiegen insbesondere in Phasen erhöhter Instabilität deutlich an. Der Bericht identifizierte mehrere solcher Episoden. (Vgl. Chainalysis)

Dazu zählen die Bombenanschläge von Kerman im Januar 2024, bei denen fast 100 Menschen bei einer Gedenkveranstaltung für den ehemaligen Kommandeur der Quds-Brigaden der Islamischen Revolutionsgarde Qasem Soleimani getötet wurden, Irans Raketenangriffe auf Israel im Oktober 2024 nach den Tötungen des Hamas-Führers Isma’il Haniyeh in Teheran und des Hisbollah-Anführers Hasan Nasrallah in Beirut sowie ein kleinerer, aber dennoch auffälliger Anstieg während des zwölftägigen Konflikts im Juni 2025, als der langjährige Schattenkrieg zwischen Iran und Israel deutlich eskalierte.

Dieser Juni-Konflikt fiel zeitlich mit gemeinsamen US-israelischen Angriffen auf Irans nukleare und ballistische Raketeninfrastruktur zusammen, ebenso mit Cyberangriffen auf Nobitex [größte iranische Kryptowährungsbörse], auf die Bank Sepah [älteste Bank Irans, stark von der Islamischen Revolutionsgarde genutzt] sowie mit der Manipulation staatlicher iranischer Fernsehausstrahlungen.

Chainalysis stellte fest, dass die gesamte Kryptoaktivität im Iran nicht nur im Jahresvergleich zunahm, sondern dies auch mit einer höheren Wachstumsrate als im Vorjahr. Dies unterstreiche die Rolle von Kryptowährungen als finanzielle Alternative und als Reaktion auf systemischen wirtschaftlichen Stress, darunter eine Inflation von schätzungsweise 40 bis 50 Prozent sowie ein Rial, der seit 2018 rund 90 Prozent seines Wertes verloren hat.

Die Krypto-Spuren der Islamischen Revolutionsgarde

Ein zentrales Ergebnis des Berichts ist die wachsende Dominanz der Islamischen Revolutionsgarde [militärische Eliteorganisation Irans mit umfangreichem wirtschaftlichem und politischem Einfluss] innerhalb der iranischen Kryptoökonomie. Adressen, die mit Unterstützungs- und Abwicklungsnetzwerken in Verbindung stehen, die der Islamischen Revolutionsgarde nahestehen, machten im vierten Quartal 2025 mehr als 50 Prozent des gesamten empfangenen Wertes im iranischen Kryptomarkt aus. Das von Adressen empfangene Volumen, die der Islamischen Revolutionsgarde zugeordnet werden, lag 2024 bei über 2 Milliarden US-Dollar und stieg 2025 auf mehr als 3 Milliarden US-Dollar an.

Chainalysis räumte jedoch ein, dass diese Zahlen lediglich eine untere Schätzung darstellen, da sie ausschließlich auf Wallets basieren, die öffentlich über Sanktionszuweisungen des Amtes zur Kontrolle ausländischer Vermögenswerte (Office of Foreign Assets Control, OFAC) des US-Finanzministeriums sowie des israelischen Nationalbüros zur Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung identifiziert wurden.

Das tatsächliche Ausmaß dürfte deutlich größer sein, da mutmaßlich Briefkastenfirmen, nicht offengelegte Mittelsmänner und bislang nicht identifizierte Wallets genutzt werden, die mit Operationen der Islamischen Revolutionsgarde verbunden sind. Diese reichen von illegalem Ölhandel über Sanktionsumgehung und Geldwäsche bis hin zur Unterstützung regionaler Stellvertretergruppen.

Der Bericht dokumentierte zudem ein verändertes Verhalten gewöhnlicher Iraner während der jüngsten Massenproteste, insbesondere zwischen Ende Dezember 2025 und Anfang Januar 2026, als eine Internetsperre verhängt wurde.

In diesem Zeitraum stellte Chainalysis deutliche Anstiege bei den durchschnittlichen täglichen Transaktionswerten sowie bei Überweisungen auf private Wallets fest. Zudem kam es zu einem ausgeprägten Anstieg von Abhebungen von iranischen Börsen auf persönliche Bitcoin-Wallets. Laut Bericht deutet dieser Trend darauf hin, dass viele Iraner Bitcoin als Mittel zur Selbstverwahrung [Eigenkontrolle über Vermögenswerte ohne Intermediäre] und zum Kapitalerhalt inmitten von Währungszerfall und politischer Unsicherheit nutzten.

Quelle: CryptoPotato

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