Die 17 Nachhaltigkeitsziele, «Unsere gemeinsame Agenda» und der «Zukunftspakt» der UN sind in schöne Worte verpackt. Doch was steckt hinter diesen Vorhaben? Darüber sprach «Transition News» mit dem schwedischen Wissenschaftler, Autor und Musiker Jacob Nordangård.
Transition News: Einige meinen, die jüngsten Krisen und die damit verbundenen Geschäftemachereien seien reiner Zufall, der Kapitalismus funktioniere eben so: Eins führt zum anderen, niemand plane eine Weltregierung. In Ihrem Buch «Die digitale Weltkontrolle», das soeben in einer aktualisierten und erweiterten deutschen Fassung erschienen ist, zeigen Sie allerdings sehr deutlich, dass einige einem klaren Plan folgen, mit den Vereinten Nationen im Zentrum. Auf welche Quellen stützen Sie Ihre Forschung?
Jacob Nordangård: Es handelt sich um Originalquellen der Vereinten Nationen sowie all jener Organisationen, die den UN-Zukunftspakt vorbereitet haben. Meine Untersuchungen stützen sich also im Wesentlichen auf die Aussagen dieser Institutionen selbst. Ich habe auch andere Quellen konsultiert, zum Beispiel das Weltwirtschaftsforum (WEF), das eine Partnerschaft mit den Vereinten Nationen eingegangen ist.
Seit wann besteht diese Partnerschaft zwischen den Vereinten Nationen und dem Weltwirtschaftsforum?
Im Juni 2019 fand die offizielle Unterzeichnung des Abkommens statt, mit dabei: der ehemalige WEF-Chef Klaus Schwab sowie der damalige WEF-Präsident Børge Brende, der UN-Generalsekretär António Guterres sowie die UN-Vize-Generalsekretärin Amina Mohammed. Doch die UN und das WEF haben bereits davor kooperiert. Mohammed war beispielsweise im Vorstand vom Young Global Leaders-Programm. Das heißt, dass die Vereinten Nationen und das WEF schon etwa ein Jahrzehnt vor der offiziellen Partnerschaft eng verbunden waren.
Hatten die Entwicklungen rund um Jeffrey Epstein Auswirkungen auf Ihre Arbeit?
Als ich die schwedische Ausgabe dieses Buchs geschrieben habe, lag mein Fokus auf «Our Common Agenda» der UN, auf Deutsch: «Unsere gemeinsame Agenda». Erst mit der Veröffentlichung der Epstein-Akten wurde mir bewusst, wie sehr Epstein mit einigen der Schlüsselfiguren dieser UN-Agenda, wie zum Beispiel Brende, verwickelt war. In die englische und deutsche Version habe ich einige dieser Informationen einfließen lassen.
Der Inhalt der Epstein-Akten bestätigt im Grunde meine bisherigen Beobachtungen und das, worüber ich auch in meinen früheren Büchern, darunter «Rockefeller – das Spiel kontrollieren» und «Der globale Staatsstreich» geschrieben habe. Darin habe ich diese Akteure und Netzwerke dargestellt.
Epstein war Mitglied der Trilateralen Kommission, die 1973 von David Rockefeller ins Leben gerufen worden ist. Rockefeller hat Epstein in diesen Kreis geholt und auch in den Council on Foreign Relations, eine weitere wichtige Denkfabrik, die vor allem die amerikanische Außenpolitik mitgestaltet.
Welche Aufgabe hatte Epstein?
In seinem letzten Interview mit Steve Bannon im Frühjahr 2019 erzählt er, wie David Rockefeller ihn mit Anfang 30 in die Trilaterale Kommission eingeladen habe und es dabei vor allem um seine Finanzkompetenz gegangen sei. Er bestätigt aber auch, dass er gute Kontakte und ein Netzwerk hatte. Er verfügte über einige Fähigkeiten, die der Trilateralen Kommission nützlich waren.
Derzeit liegt der Fokus vor allem auf dem Sexhandel und den beteiligten Minderjährigen. Doch Epstein war wichtig, um Menschen miteinander zu vernetzen. So freundete er sich beispielsweise mit Brende, dem ehemaligen Präsidenten des Weltwirtschaftsforums an, und sie erörterten, wie das WEF die Rolle der Vereinten Nationen übernehmen könne. Er war also eine Schlüsselfigur in diesen einflussreichen Netzwerken.
In einem aktuellen Artikel schreiben Sie, dass wir uns mitten im Zusammenbruch der alten Ordnung befänden. Was ist die «alte Ordnung»?
Die alte Ordnung entstand nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Bretton-Woods-Institutionen – Weltbank und Internationaler Währungsfond –, der Gründung der Vereinten Nationen und den Vereinigten Staaten als führender Supermacht. Darauf folgte der Kalte Krieg. Ich bezeichne den zweiten Teil dieser Ära als «warmen Krieg», da damals der Klimawandel zu einem der größten globalen Probleme hochstilisiert worden ist. Die Ära nach dem Kalten Krieg wird von den Vereinigten Staaten dominiert – es handelt sich also um ein unilaterales System.
Was jetzt geschieht: Diese alte Ordnung zerfällt. Die Rolle der Vereinigten Staaten wird sich wandeln, und infolgedessen wird sich auch die UN als Weltorganisation verändern. Das markiert das Ende des Petrodollar-Systems und all der Errungenschaften des amerikanischen Imperiums. Der UN-Zukunftspakt von 2024 – Pact for the Future – ist Teil dieser bevorstehenden Entwicklung.
Bevor wir näher auf den UN-Zukunftspakt eingehen: Der englische Titel Ihres Buches lautet «The Digital World Brain». Woher stammt die Idee eines Weltgehirns?
Den Titel habe ich bei H. G. Wells, dem Science-Fiction-Autor und politischen Schriftsteller, entlehnt. Er gehörte der Fabian-Gesellschaft an und war sehr an utopischen Ideen für ein neues Weltsystem interessiert. In seinem Buch «World Brain» beschreibt er ein neues System, mit einer Weltregierung, die den weltweiten Informationsfluss kontrolliert und mithilfe der Wissenschaft eine Utopie erschafft. Die Wissenschaft entscheidet, was gemacht wird und was die Menschheit glauben soll – basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, die von einigen wenigen kontrolliert werden. Es handelt sich also um eine Wissenschaftsdiktatur. Dieser Text stammt aus den 1930er-Jahren. Die Idee dahinter ist jedoch älter und wurde mehrfach neu aufgegriffen.
Die moderne Wissenschaftsdiktatur geht auf Wells zurück. Aber auch Julian Huxley, ein Freund von Wells, und der Jesuit Pierre Teilhard de Chardin vertraten ähnliche Ansichten über den technologischen Wandel und eine technologische Gesellschaft, eine Art Techno-Utopie.
In Ihrem aktuellen Buch analysieren Sie die zwölf Vorschläge der Vereinten Nationen, die in «Our Common Agenda» enthalten sind. Diese Agenda wurde 2021 veröffentlicht, um daraus Verpflichtungen abzuleiten, mit denen die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) umgesetzt werden sollen. Zu diesen Verpflichtungen gehören unter anderem: niemanden zurücklassen, Vertrauen aufbauen, der Jugend zuhören. Das klingt doch alles ganz vernünftig. Was hat das mit einer Wissenschaftsdiktatur oder Techno-Utopie zu tun?
Solche Pläne werden immer in schöne Worte verpackt. Aber wir müssen uns vor Augen führen, was dahintersteckt. Nehmen wir den Slogan «Niemanden zurücklassen» und sehen uns an, was «Our Common Agenda» – «unsere gemeinsame Agenda» – und der «Zukunftspakt» der UN damit wirklich wollen: Es geht dabei um die Digitalisierung von mehr oder weniger allem auf diesem Planeten, alles, was erfasst und überwacht werden kann.
Es ist ein perfekt geordnetes und kontrolliertes System. Niemand soll zurückgelassen werden, da jeder Teil des Systems sein muss. Sicherheitshalber wird jeder überwacht.
Und wenn «wir» «unserer gemeinsamen Agenda» zufolge den Menschen zuhören wollen, geht es darum, zu erfahren, was sie machen und denken. Nicht darum, dass Bürger wirklich Mitspracherecht bekommen. «Wir» haben eine Vision und einen Pakt für die Zukunft. Und «unsere» Pläne sollen verwirklicht werden, dazu möchten «wir» wissen, wie die Leute reagieren.
Pseudowissenschaft als Religion
Aber alles basiert auf «ihrer» Wissenschaft. Ich halte diese «Wissenschaft» für eine Pseudowissenschaft. Das ist keine echte Wissenschaft, sondern eine politische Vision, die als Wissenschaft verkauft wird. Ich habe lange an der Universität gelehrt und geforscht – Wissenschaft bedeutet, alles zu hinterfragen, um immer besser zu werden.
Doch hier wird «die Wissenschaft», die zu einem großen Teil auf Modellrechnungen und Computersimulationen basiert, als Religion instrumentalisiert: Wenn die Menschen «unseren» Weg gehen, führt er zum Paradies, wenn nicht, führt er zur Hölle. «Wir» müssen die Menschen also überzeugen, sich dafür zu entscheiden, wie «wir» es bei den Vereinten Nationen besprechen. «Wir» haben dieses eine große Ziel.
«Our Common Agenda» und «The Pact for the Future» gründen sich auf Verhaltensdesign und Verhaltenswissenschaft. Dieser Behaviorismus wird genutzt, um Menschen in die richtige Richtung zu lenken. Das entspricht totalitärem Denken. Es ist kein besonders empathischer Umgang mit Menschen, sondern macht Menschen zu Objekten, die programmiert werden können, damit sie den Visionen derjenigen, die hinter diesen Plänen stecken, besser entsprechen.
Und wenn es heißt: «Wir wollen den Jugendlichen zuhören und mit ihnen zusammenarbeiten», läuft es im Grunde darauf hinaus, dass die jungen Menschen in eine bestimmte Richtung gelenkt werden sollen.
Die Jugendlichen können nicht einfach frei ihre Meinung äußern. Sie werden gefragt: «Wie findest Du die Klimapolitik, soll sie strenger oder nachgiebiger sein?» «Ich glaube nicht daran», ist als Antwort nicht vorgesehen. Es handelt sich um «Fakten», die nicht hinterfragt werden dürfen. Fragebögen und Fokusgruppen dienen nur dazu, die umgesetzten Maßnahmen zu rechtfertigen.
Warum scheint das Jahr 2030 so im Fokus zu stehen?
Weil es diese 15-Jahrespläne gibt. Ab 2000 gab es diesen Testlauf mit den Millenniums-Entwicklungszielen bis 2015 – nur wenige haben davon gehört oder erinnern sich daran –, die Ziele wurden nicht erreicht. Doch dieses Mal, für das Jahr 2030, gewinnt alles enorm an Bedeutung und wird seit 2015 propagandistisch instrumentalisiert. Ich vermute jedoch, dass die Vereinten Nationen die «Ziele für nachhaltige Entwicklung», so wie sie der Öffentlichkeit präsentiert werden, bis 2030 nicht mehr erfolgreich umsetzen können.
Es wird also neue Ziele für 2045 geben – ein äußerst wichtiger Zeitpunkt. In den Zukunftsszenarien wird das Vorhaben als «The Great Transition» beschrieben – es geht darum, bis zum 100-jährigen Jubiläum der UN eine Weltregierung zu installieren. Die Zeit bis dahin ist eine Übergangsphase, und wir befinden uns gerade im ersten Abschnitt dieses Umbruchs. 2030 ist einfach ein wichtiges Jahr auf dem Weg dahin.
Cyber-biologische Systeme
Und wie trägt künstliche Intelligenz (KI) dazu bei, dieses «eine große Vorhaben» umzusetzen?
Ich glaube, die Eliten dieser Welt betrachten KI als ein perfektes System, weil sie früher auf andere Menschen zur Ausführung ihrer Befehle angewiesen waren – deswegen können totalitäre Systeme langfristig niemals Bestand haben.
Wenn sie stattdessen dieses KI-gesteuerte System nutzen, steht den Eliten niemand mehr im Weg: Niemand kann es von innen heraus zerstören. Sie können Regeln und Vorschriften festlegen und dem autonomen KI-System, dem Steuerungssystem der Welt, sagen, was sie erreichen wollen, und es wird umgesetzt.
Woher stammt eigentlich diese Vorstellung, dass sich die Menschheit mit Maschinen und dem Finanzsystem vereinen könnte?
Auch das ist eine alte Idee und eng mit dem Transhumanismus verbunden. Dazu gehört die Eugenik, mit dem Ziel, den Menschen zu verändern und ihn zu verbessern. Mit dem Transhumanismus wurde das auf eine neue Ebene gehoben, indem man uns mithilfe von Technologie verändert, in das System integriert und digitalisiert.
Diese Entwicklung hat zu Beginn des Computerzeitalters, besonders ab den 1990er Jahren stattgefunden. So wie viele andere habe ich das damals einfach nur für Hirngespinste einiger Technikfreaks gehalten. Aber inzwischen ist das allgegenwärtig und dient als Grundlage der Vierten Industriellen Revolution. Denn insbesondere im Weltwirtschaftsforum stießen diese transhumanistischen Ideen auf fruchtbaren Boden.
Und 2019 haben die Vereinten Nationen und das WEF eben diese Partnerschaft geschlossen, damit das Weltwirtschaftsforum die UN bei der Umsetzung der Agenda 2030 unterstützt. Dies geschieht mithilfe der Technologien der Vierten Industriellen Revolution, genauer gesagt mithilfe cyber-biologischer Systeme. Dabei verschmelzen Mensch, Maschine und das Finanzsystem. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, denn so kommt es zur vollständigen Umgestaltung des alten, des sterbenden Systems. Wir werden uns also in das Finanzsystem integrieren.
Wie weit ist dieses Vorhaben, das cyber-biologische System, gediehen? Liegen die Eliten im Zeitplan?
Wir brauchen doch nur drei Jahrzehnte zurückzublicken, um zu sehen, dass bereits viel erreicht worden ist – die Menschen sind sehr anpassungsfähig. Hier in Schweden wird fast kein Bargeld mehr verwendet. Vor 30 Jahren zahlte jeder bar, Kartenzahlungen waren unüblich. Die sogenannte «Pandemie» oder auch Kriege dienen dazu, ohne viel Aufsehen die Systeme zu verändern, weil die Menschen an andere Dinge denken.
Auch lokal werden Kriege geführt, wie hier in Schweden, in meiner Heimatstadt: Wir haben Bombenanschläge, Schießereien und Kriminalität. Gleichzeitig wird diese Agenda umgesetzt: Seit zwei Jahren sind Überwachungskameras im öffentlichen Straßenraum erlaubt und inzwischen sind sie auch überall installiert.
Das ganze Interview mit allen Links findest du im Originalartikel von Transition News > Hier weiterlesen.
Quelle: Transition News
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