KI statt Wähler? Vitalik Buterins Vision für die Zukunft der DAO-Governance

von | 3. März 2026

Vitalik Buterin schlägt vor, für Abstimmungen in DAOs KI einzusetzen, da diese anhand von Persönlichkeitsprofilen besser als die Menschen selbst entscheiden könne. Es muss zugegeben werden, dass die Entscheidungen oft Themen betreffen, über die man selbst nicht richtig Bescheid weiß. Gleichzeitig fehlen oft das Interesse und auch die Zeit, sich für Abstimmungen in die Themen zu vertiefen.

Gehen wir mit Buterins Vorschlag eine Stufe weiter und übertragen ihn auf gesellschaftliche Abstimmungen, sei es regional oder sogar landesweit, so lässt sich schnell eine ganz neue Dimension dieses Gedankengangs erkennen. Denn die Probleme sind dort dieselben. Aber was wäre das dann für eine Art von Demokratie? Mehr Mitsprache, weil wir über die KI so abstimmen könnten, als ob wir bei den Themen den vollen Durchblick hätten, oder werden wir von der Mitbestimmung ausgeschlossen, weil die Abstimmung über die KI dann zur Pflicht wird? Ein Thema, das wohl noch viele Fragen aufwerfen wird.

Zu beschäftigt zum Abstimmen? Vitalik Buterin sagt: Künstliche Intelligenz übernimmt das für dich!

Private Agenten mit Künstlicher Intelligenz könnten die dezentrale Governance grundlegend verändern.

Samyukhtha L KM – 23. Februar 2026

  • Was wäre, wenn Du in einer Dezentralen Autonomen Organisation (DAO) nie wieder selbst abstimmen müsstest? Genau diese Zukunft stellt sich Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin vor.
  • Statt dass Nutzer bei jedem einzelnen Vorschlag abstimmen, könnten Agenten mit Künstlicher Intelligenz (KI) einspringen und auf Basis deiner tatsächlichen Überzeugungen votieren.

Künstliche Intelligenz stimmt ab – damit du es nicht musst

Buterin wies kürzlich darauf hin, dass Abstimmungen in Dezentralen Autonomen Organisationen (DAO) ein ernsthaftes Beteiligungsproblem haben. Seine Lösung klingt wie aus der Zukunft: Statt dass Nutzer jede Entscheidung manuell treffen, sollen persönliche KI-Agenten diese Aufgabe übernehmen.

Die Idee: Jeder Nutzer verfügt über ein eigenes KI-Modell, das auf seinen Nachrichten, Meinungen und bisherigen Entscheidungen trainiert wird. Dieses Modell würde anschließend bei DAO-Vorschlägen exakt so abstimmen, wie es der Nutzer selbst tun würde.

„Gute Entscheidungen können oft nicht aus einem linearen Prozess entstehen, bei dem die Ansichten von Menschen, die ausschließlich auf ihren eigenen Informationen beruhen, herangezogen und anschließend gemittelt werden, selbst dann nicht, wenn dies quadratisch erfolgt [gemeint ist hier eine quadratische Gewichtung, bei der Stimmen nicht einfach linear gezählt, sondern nach einer mathematischen Formel stärker oder schwächer gewichtet werden].

Viele Menschen verfügen weder über die Zeit noch über das Fachwissen, um über Tausende komplexe Entscheidungen abzustimmen. In der Folge konzentriert sich die Stimmkraft häufig auf einige wenige große Token-Inhaber. Buterin erklärte dazu:

„Die übliche Lösung, die Delegation, ist entmachtend.“ (Vgl. X)

Bemerkenswert ist, dass diese Aussagen nur einen Monat nach Buterins scharfer Kritik an Dezentralen Autonomen Organisationen (DAO) erfolgten, denen er eine geringe Beteiligung und zunehmende Zentralisierung vorwarf. (Vgl. X)

Ein zentraler Bestandteil der Idee …

… besteht darin, sicherzustellen, dass Nutzer für mehr Komfort nicht ihre Privatsphäre aufgeben müssen.

Die KI-Agenten sollen in sicheren Systemen laufen, etwa in sogenannten „Trusted Execution Environments“ (TEE) [Vertrauenswürdige Ausführungsumgebungen; isolierte Hardware-Bereiche, in denen Programme geschützt und abgeschirmt ausgeführt werden] sowie unter Einsatz von „Multi-Party Computation“ (MPC) [Mehrparteienberechnung; ein kryptographisches Verfahren, bei dem mehrere Parteien gemeinsam Daten verarbeiten können, ohne ihre jeweiligen Eingaben offenzulegen].

Dadurch könnten sensible Informationen verarbeitet werden, ohne sie öffentlich preiszugeben.

Quelle: X

„‚Künstliche Intelligenz wird zur Regierung‘ ist dystopisch: Es führt zu Schlamperei, wenn die Künstliche Intelligenz schwach ist, und maximiert das Katastrophenrisiko, sobald die Künstliche Intelligenz stark wird. Richtig eingesetzt kann Künstliche Intelligenz jedoch ermächtigend wirken und die Grenzen demokratischer beziehungsweise dezentraler Formen der Governance erweitern.

Das Kernproblem demokratischer beziehungsweise dezentraler Governance-Modelle (einschließlich Dezentraler Autonomer Organisationen auf Ethereum) sind die Grenzen menschlicher Aufmerksamkeit: Es gibt viele Tausende von Entscheidungen zu treffen, die zahlreiche Fachgebiete betreffen, und die meisten Menschen haben weder die Zeit noch die Fähigkeiten, um auch nur in einem davon Experten zu sein, geschweige denn in allen. Die übliche Lösung, die Delegation, ist entmachtend: Sie führt dazu, dass eine kleine Gruppe von Delegierten die Entscheidungsfindung kontrolliert, während ihre Unterstützer, nachdem sie auf den ‚Delegieren‘-Button geklickt haben, keinerlei Einfluss mehr haben. Was können wir also tun? Wir nutzen persönliche große Sprachmodelle, um das Aufmerksamkeitsproblem zu lösen! Hier sind einige Ideen:“

Zum Schutz der Wähleridentität schlug Buterin den Einsatz von Zero-Knowledge-Proofs (ZKP) [Null-Wissen-Beweise; kryptographische Methode, mit der sich eine Aussage beweisen lässt, ohne die zugrunde liegenden Informationen offenzulegen] vor.

Damit könnten Nutzer nachweisen, dass sie stimmberechtigt sind, ohne ihre Wallet-Adresse oder ihre konkrete Entscheidung offenzulegen. Gleichzeitig ließen sich Risiken wie Bestechung, Zwang oder das blinde Nachahmen großer Token-Inhaber reduzieren.

KI-Agenten könnten zudem routinemäßige Abstimmungen automatisch übernehmen und Nutzer nur dann benachrichtigen, wenn besonders wichtige Entscheidungen anstehen.

Um mit Spam-Vorschlägen umzugehen, stehen sogenannte „Prediction Markets“ [Prognosemärkte; Märkte, auf denen Teilnehmer auf das Eintreten bestimmter Ereignisse wetten und so Wahrscheinlichkeiten abbilden] im Raum. In diesem Modell würden KI-Agenten starke Vorschläge unterstützen und schwache ignorieren.

Fazit

  • Vitalik Buterins Vorschlag, KI-Agenten für Abstimmungen einzusetzen, könnte die Governance von Dezentralen Autonomen Organisationen (DAO) dauerhaft verändern.
  • Sollte sich dieses Modell breit durchsetzen, könnten KI-Agenten Dezentralen Autonomen Organisationen (DAO) skalierbarer machen und ihnen zu einer tatsächlich stärkeren Dezentralisierung verhelfen.

Quelle: AMBCrypto

Artikelvorschläge:

  • Multi-Party-Computation: Ein Plus für Datensicherheit und Privatsphäre? (März 2024)
    In einer Welt, in der Daten gleichzeitig wertvoll und gefährdet sind, stellt sich die Frage: Wie können wir Privatsphäre gewährleisten, während wir gleichzeitig den Wert von Daten nutzen?
    Dieser Artikel beleuchtet die Rolle der Multi-Party-Computation (MPC) als mögliche Antwort auf dieses Dilemma und bietet einen Einblick in ihre Funktionsweise, Vorteile und praktische Anwendungen.
  • Ethereum und KI: Vitalik Buterins Vision
    In einem neuen Thread skizziert Vitalik Buterin ein Quadrantendiagramm zur Ko-Evolution von Ethereum und KI, das zwischen Überleben und Gedeihen unterscheidet.
    Im Zentrum stehen lokale Modelle, kryptografische Beweise und eine Blockchain-Infrastruktur für wirtschaftliche Koordination zwischen KI-Agenten.
    Gleichzeitig wirft die Vision die Frage auf, wie eine dezentrale Ordnung aussieht, wenn nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen sie nutzen.

Telegram Logo „Bye Bye Staat & Hallo Freiheit“
Abonniere jetzt LegitimCrypto auf Telegram!

Legitim-Newsletter

 

Abonniere den Newsletter,


um die wichtigsten Updates per E-Mail zu erhalten!

Du hast dich erfolgreich angemeldet - danke!