Pakistan: Wenn eine Regierung Bitcoin ‚verzinst‘

von | 18. Juli 2025

Pakistan hat in den letzten Monaten mit einer ungewöhnlichen Entscheidung internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das Land will eine nationale Bitcoin-Reserve anlegen und diese gezielt in DeFi-Protokollen einsetzen, um daraus Erträge zu erzielen. DeFi steht für „Decentralized Finance“ – ein System, das Finanzdienstleistungen über öffentliche Blockchains ohne zentrale Kontrollinstanz anbietet. Die Entscheidung fällt auf, weil bisher vor allem Industrieländer oder einzelne Unternehmen mit solchen Strategien experimentiert haben.

Die Hintergründe dieses Schrittes sind vielfältig. Im Zentrum steht Bilal Bin Saqib, der als Sonderbeauftragter des Premierministers für Krypto und Blockchain fungiert und seit Jahren an der Schnittstelle zwischen Technologie und Gesellschaft arbeitet. Saqib ist in der internationalen Kryptoszene kein Unbekannter. Seit März 2024 ist er CEO des pakistanischen Crypto Council, der erstmals sämtliche kryptobezogenen Initiativen des Landes unter einem Dach koordiniert.

Saqib war inspiriert von Gesprächen mit bekannten Persönlichkeiten wie Michael Saylor, der die Idee einer staatlichen Bitcoin-Reserve aktiv vertritt. Das Treffen gab dem Projekt zusätzlichen Auftrieb.

Bereits vor zwei Monaten wurde der frühere Binance-CEO Changpeng „CZ“ Zhao zum Berater des pakistanischen Crypto Councils.

Am 4. Juni traf sich Bin Saqib im Weißen Haus mit Robert „Bo“ Hines, dem geschäftsführenden Direktor des Council on Digital Assets von US-Präsident Donald Trump.

Saqib sagt, es sei eine Ehre gewesen, Pakistan im Weißen Haus als „zukunftsorientierte, technologiegetriebene Nation, die keine Angst hat, sich auf diesen neuen Finanzbereich einzulassen“, zu vertreten.

Er sprach mit Hines über Bitcoin-Reserven, Stablecoin-Infrastruktur und darüber, „Brücken zu bauen“ zwischen US-Innovation und der pakistanischen Jugend – zumal Pakistan den drittgrößten Freelancer-Markt der Welt stellt.

„Wir wollen von verschiedenen Modellen der USA lernen, sei es beim Aufbau einer Wallet oder beim Genius Coin Act“, sagt er und fügt hinzu, dass beide Nationen sehr eng bei Wissensaufbau und Wissensaustausch zusammenarbeiten werden.

„Wir schauen auf die USA, weil sie nicht nur uns, sondern die ganze Welt inspirieren.“ (Vgl. Cointelegraph)

Technischer Ablauf: Was bedeutet DeFi für einen Staat?

Im Unterschied zu klassischen Finanzanlagen sollen die Bitcoin-Reserven Pakistans nicht einfach gehalten („gehodlt“), sondern aktiv eingesetzt werden. Die Basis dafür sind DeFi-Protokolle – also Anwendungen auf Blockchain-Basis, die Zinsen oder Erträge („Yields“) generieren, indem man Kryptowährungen zur Verfügung stellt. Diese Systeme funktionieren meist über sogenannte Smart Contracts: Programmierte Verträge, die Abläufe automatisieren und ohne zentrale Kontrolle funktionieren.

Einerseits winken dadurch attraktive Erträge, da viele DeFi-Protokolle Zinssätze bieten, die über denen klassischer Anlagen liegen. Andererseits sind die Risiken schwer kalkulierbar: Hacks, technische Fehler oder plötzliche Kursverluste können die Erträge schnell zunichtemachen.

Pakistan möchte dabei zunächst Bitcoin einsetzen, die von den Behörden im Rahmen von Strafverfahren beschlagnahmt wurden und bisher ungenutzt blieben. Es handelt sich also nicht um einen aktiven Ankauf, sondern um eine Art „Verwertung“ bereits vorhandener digitaler Werte. Der Einstieg in das Thema Mining – also die Erzeugung neuer Bitcoin mithilfe von Rechenleistung – wird in Regierungskreisen ebenfalls diskutiert. Das Land hat dafür bereits 2.000 Megawatt überschüssige Energie zur Verfügung gestellt.

Pakistan und seine Jugend

Für die junge Generation in Pakistan, die zunehmend digital arbeitet und weltweit vernetzt ist, eröffnen sich damit neue Chancen. Die Regierung sieht gerade im Freelancer-Sektor großes Potenzial – Pakistan ist weltweit der drittgrößte Freelancer-Markt – und möchte durch moderne Krypto-Infrastruktur den Zugang zu digitalen Einnahmequellen erleichtern. Digitale Assets wie Bitcoin und Stablecoins könnten eine Alternative bieten, wo klassische Bankdienstleistungen nicht greifen oder zu teuer sind.

Gleichzeitig steigt der Bedarf an Wissen und Kompetenz. Die Nutzung von DeFi ist nicht selbsterklärend. Wer davon profitieren möchte, muss sich mit Begriffen wie Wallets, Smart Contracts, Token oder Liquiditätspools vertraut machen. Das bedeutet mehr Eigenverantwortung, aber auch mehr Gestaltungsmöglichkeiten für den Einzelnen.

„Die Jugend in anderen Ländern sollte definitiv Überzeugungsarbeit leisten, sich engagieren und Druck auf ihre Entscheidungsträger ausüben, damit diese daran glauben, dass dies die Zukunft des Finanzwesens ist, und sie sollten dafür sorgen, dass sie nicht zurückbleiben“, sagte Saqib. (Vgl. Cointelegraph)

Herausforderungen

Trotz aller Chancen ist der Weg nicht ohne Risiken. Die Technologie hinter DeFi ist komplex und befindet sich noch in der Entwicklung. Immer wieder kommt es zu Hacks oder Fehlern in Smart Contracts, die erhebliche Verluste verursachen können. Staaten, die hier mit eigenen Mitteln einsteigen, müssen sich auf ein neues Risikomanagement einstellen und eigene Schutzmechanismen entwickeln.

Auch rechtlich gibt es viele offene Fragen. Wer haftet, wenn zum Beispiel Gelder durch Fehler im Code verloren gehen?

Pakistans Entscheidung, Bitcoin im Rahmen von DeFi zu nutzen, ist ein Beispiel für die Veränderungen im internationalen Finanzsystem. Es zeigt, wie klassische und neue Strukturen zunehmend miteinander verbunden werden, leider häufig mit einer zentralisierten Nutzung dezentraler Protokolle.

Wie sich dieser Prozess weiterentwickelt, bleibt offen. Klar ist aber: Die Art, wie über Geld, Kontrolle und Innovation nachgedacht wird – und welche neuen Systeme sich etablieren -, verändert sich gerade grundlegend.

Quelle: Cointelegraph.com

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