Der Umgang mit dem Quantenrisiko für Bitcoin nimmt zunehmend konkrete Formen an. Während einige Ansätze auf schnelle, weitreichende Eingriffe setzen, wie dem BIP-361, gibt es gleichzeitig auch andere Ansätze, die zurückhaltender sind. Ein Beispiel dafür ist der sogenannte „Canary“-Ansatz von BitMEX Research. Dabei handelt es sich um eine Art Frühwarnsystem: Eine spezielle Bitcoin-Adresse dient als Test, ob ein Quantencomputer tatsächlich in der Lage ist, bestehende Kryptografie zu brechen. Erst wenn dieser Nachweis erbracht wird, sollen weitergehende Maßnahmen wie ein Einfrieren betroffener Coins greifen.
Demgegenüber steht mit dem Bitcoin Improvement Proposal 361 (BIP-361) ein deutlich proaktiverer Ansatz. Dieser sieht vor, den Umgang mit quantenanfälligen Coins schrittweise einzuschränken und letztlich vollständig zu unterbinden, unabhängig davon, ob ein Angriff bereits nachgewiesen wurde oder nicht. Die Spannbreite reicht damit von abwartender Beobachtung bis hin zu vorsorglicher Intervention auf Protokollebene. Neben dem Schutz vor Quantencomputing geht BIP-361 allerdings auch mit Nachteilen direkt auf Protokollebene einher, die grundlegende Prinzipien von Bitcoin untergraben, wie beispielsweise die Zensurresistenz.
Dass hier nicht über Science-Fiction-Szenarien in Jahrzehnten gesprochen wird, zeigt eine aktuelle Einschätzung von Google Quantum AI, die darauf hindeutet, dass leistungsfähige Quantencomputer möglicherweise früher Realität werden könnten als bislang angenommen. Den entsprechenden Beitrag findest du unten in den Artikelempfehlungen.
Bitcoin könnte vollständigen Quanten-Freeze durch neuen „Canary“-Vorschlag vermeiden
Anstatt Coins frühzeitig einzufrieren, schlägt BitMEX Research vor, auf einen Beweis zu warten, der durch eine spezielle Adresse erbracht werden kann, die einen Freeze auslöst, falls ein Quantencomputer nachgewiesen wird.
Chayanika Deka – 19. April 2026
Ein neuer Vorschlag beschreibt einen Mechanismus, der einen Freeze nur bei quantenanfälligen Coins auslösen würde, falls ein solcher Computer nachweislich existiert.
BitMEX Research schlägt als Alternative zu quantensicheren Wiederherstellungsschemata ein „Canary“-System vor. (Vgl. X) Der neue Ansatz zielt darauf ab, einen unnötigen vollständigen Bitcoin-Freeze als Reaktion auf zukünftige Bedrohungen durch Quantencomputing zu vermeiden.
BIP-361 und Bedenken zum Quanten-Freeze
Die laufenden Debatten rund um Bitcoin Improvement Proposal 361 (BIP-361) haben die Community gespalten. Es ist wichtig zu beachten, dass BIP-361 kürzlich in das Bitcoin-Repository integriert wurde und einen gestaffelten Ansatz vorsieht, bei dem das Senden von Geldern an quantenanfällige Adressen zunächst für drei Jahre eingeschränkt wird, gefolgt von einem vollständigen Freeze dieser Coins nach weiteren zwei Jahren.
Dieser Plan hat Kritik ausgelöst, insbesondere von jenen, die der Ansicht sind, dass Nutzer weiterhin selbst für ihre Gelder verantwortlich bleiben sollten und dass ein Freeze auf Protokollebene die grundlegenden Prinzipien von Bitcoin untergräbt, einschließlich der Zensurresistenz.
Gleichzeitig stellen andere infrage, ob es ausreichend Belege dafür gibt, dass Quantencomputer, die aktuelle Kryptografie brechen können, in naher Zukunft entstehen werden.
BitMEX Research hingegen schlägt ein „Canary“-System vor, bei dem ein Freeze nicht automatisch nach einer festgelegten Zeit ausgelöst wird. Stattdessen tritt das Netzwerk in einen „Canary“-Überwachungszustand ein, und ein Freeze erfolgt nur dann, wenn es einen On-Chain-Beweis gibt, dass ein Quantencomputer existiert.
Dieser Beweis würde von einer speziellen Bitcoin-Adresse stammen, die mithilfe eines „Nothing-Up-My-Sleeve“-Zahlensystems [ein Verfahren zur Erzeugung von Zahlen, bei dem sichergestellt wird, dass keine versteckten Parameter oder Manipulationen vorliegen] erstellt wird, wodurch garantiert ist, dass niemand den privaten Schlüssel kennt.
Sollten jemals Gelder von dieser Adresse ausgegeben werden, wäre dies ein Hinweis darauf, dass ein Quantencomputer verwendet wird. In Abwesenheit eines solchen Ereignisses könnten diese Coins weiterhin normal ausgegeben werden, möglicherweise mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen wie temporären Einschränkungen bei der Verwendbarkeit von Outputs [Ausgänge einer Transaktion, die bestimmen, wohin Bitcoin gesendet werden].
Canary-Fonds
Zur weiteren Unterstützung des Mechanismus führt der Vorschlag das Konzept eines „Canary“-Fonds ein. Dabei würden Nutzer freiwillig Bitcoin in die spezielle Adresse einzahlen, als eine Art Belohnung.
Ziel ist es, einen Anreiz für jede Entität mit einem funktionierenden Quantencomputer zu schaffen, ihre Fähigkeiten offenzulegen, indem sie die hinterlegten Mittel beansprucht, anstatt die Guthaben anderer Nutzer anzugreifen. Gleichzeitig behalten die Einzahler eine gewisse Kontrolle über ihre Einlagen durch Multisignatur-Vereinbarungen [ein Verfahren, bei dem mehrere Schlüssel erforderlich sind, um eine Transaktion zu autorisieren], die bei Bedarf eine Auszahlung ermöglichen.
BitMEX Research erkennt jedoch an, dass dieser Ansatz Risiken birgt, darunter die Möglichkeit, dass die Belohnung nicht groß genug ist, um die erste quantenfähige Entität anzulocken, die sich stattdessen dafür entscheiden könnte, andere Gelder auszunutzen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine regulierte oder angesehene Organisation die Canary-Belohnung möglicherweise auf transparente Weise beanspruchen würde.
Parallel dazu wird eine weitere Idee untersucht: ein „Sicherheitsfenster“, bei dem selbst nach Beginn von Einschränkungen für quantenanfällige Signaturen Transaktionen weiterhin verarbeitet werden könnten, deren Outputs jedoch vorübergehend für eine definierte Anzahl von Blöcken gesperrt wären, möglicherweise bis zu 50.000 Blöcke oder ungefähr ein Jahr.
Quelle: CryptoPotato
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