Bei den Entwicklungen im Bereich Stablecoins, die in letzter Zeit immer mehr Fahrt aufnehmen, ist die Europäische Zentralbank nicht nur hinten dran, sondern sträubt sich auch dagegen. Das gilt besonders für die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde. Interessanterweise wird auf die Krise vom März 2023 verwiesen, bei der beim Zusammenbruch der Silicon Valley Bank 3,3 Milliarden Dollar der Reserven von Circle blockiert waren, was einen Rückgang des USDC auf 0,87 Dollar auslöste. Gleichzeitig ist es aber genau Circle, das seit 2024 in der Europäischen Union reguliert ist und den USDC anbieten kann.
Inwiefern das Argument stimmig ist, aus Sicherheitsgründen keinen privaten Stablecoin auf Eurobasis zuzulassen, ist daher mehr als fraglich. Das scheinen auch 12 Bankinstitute und die französische Regierung so zu sehen. Vielmehr wirkt es wieder einmal so, als solle jegliche Konkurrenz zum digitalen Euro der Europäischen Zentralbank vermieden werden, damit dieser als alleiniges Zahlungsmittel gilt. Deshalb werden Systeme entwickelt, die genau das gewährleisten sollen, während sich die Welt gleichzeitig weiterentwickelt und die Europäische Union das Nachsehen hat.
Vergessen wird auch, dass private Stablecoins, je nach Organisation, Staatsanleihen als Reserve vorsehen können. Das könnte den Euro stützen, so wie es derzeit in den Vereinigten Staaten mit dem US Dollar der Fall ist.
Abhängigkeit vom Dollar bis 2028
Club 25% – 11. Mai 2026
Mit einem Stablecoin-Markt von 321 Milliarden Dollar erfasst der Euro weniger als 1 % der On-chain-Liquidität [auf einer Blockchain verfügbare Liquidität]. Angesichts dieses Rückstands bricht an der Spitze Europas eine politische Spannung aus. In ihrer Rede vom 8. Mai 2026 wies Christine Lagarde die Idee zurück, sich auf private Stablecoins zu stützen, um die europäische Währung zu verteidigen. Eine Haltung, die die Europäische Zentralbank (EZB) in Gegensatz zur französischen Regierung und zur Initiative von 12 Bankinstituten bringt.
98 % Liquidität in Dollar: die Feststellung der Ohnmacht aus Frankfurt
In 6 Jahren ist die Kapitalisierung des Sektors von 10 Milliarden Dollar auf mehr als 300 Milliarden Dollar gestiegen. Von dieser Summe kontrollieren Tether [Unternehmen, das unter anderem den dollarbasierten Stablecoin USDT herausgibt] und Circle [Finanztechnologieunternehmen, das unter anderem den Stablecoin USDC herausgibt] fast 90 % der Ausgabe. Diese Situation spiegelt sich in den Protokollen wider, in denen 98 % der Liquidität weiterhin auf Dollar lauten.
Dieses Ungleichgewicht kommt den Vereinigten Staaten zugute. Die Emittenten von Dollar-Stablecoins legen ihre Reserven in US-Staatsanleihen an. Ein europäischer Investor, der USDC hält, finanziert also ausländische Schulden.
Für die Europäische Zentralbank (EZB) markiert diese Kapitalmigration einen Verlust an Souveränität. Eine massive Bewegung von Einlagen hin zu diesen Vermögenswerten würde zudem riskieren, die europäische Bankkreditvergabe zu schwächen.
Frankreich unterstützt die Bankenoffensive: Der Euro on-chain wartet nicht mehr auf die Europäische Zentralbank
Dieser Rückstand veranlasst Paris, den Ton gegenüber der Untätigkeit Frankfurts zu verschärfen. Am 17. April 2026 bekundete Roland Lescure öffentlich seine Unterstützung für private Initiativen. Der Wirtschaftsminister hält die Schwäche des digitalen Euro für „unbefriedigend“ und ermutigt die Banken, das Feld zu besetzen, ohne auf die Werkzeuge der Zentralbank zu warten.
Dieser politische Wille trifft auf die Ambitionen des Konsortiums Qivalis [Zusammenschluss von Banken zur Entwicklung eines Euro-Stablecoins]. Diese Gruppe aus 12 Banken, darunter BNP Paribas [französische Großbank und Finanzdienstleister] und ING [niederländischer Banken- und Finanzdienstleistungskonzern], arbeitet an der Einführung eines Euro-Stablecoins für die zweite Jahreshälfte 2026.
Das Ziel besteht darin, einen mit MiCA [Markets in Crypto-Assets Regulation -EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte] konformen Vermögenswert anzubieten, um digitale Kapitalflüsse zu erfassen, bevor der Dollar den europäischen Markt endgültig abschließt.
Die Zurechtweisung aus Frankfurt: Warum Lagarde die private Lösung ablehnt
Die Antwort von Christine Lagarde am 8. Mai 2026 klingt wie eine Zurechtweisung. Die Präsidentin der EZB ist der Ansicht, dass die Argumente, die für die Förderung dieser privaten Euro-Stablecoins angeführt werden, „weit weniger stichhaltig sind, als es scheint“.
Die Institution weigert sich, die Geldverwaltung an kommerzielle Einheiten zu delegieren, die anfällig für Bankpaniken sind.
Die EZB stützt sich auf die Krise vom März 2023. Beim Zusammenbruch der Silicon Valley Bank [US-Bank, die vor allem Technologieunternehmen und Start-ups bediente] sah Circle 3,3 Milliarden Dollar seiner Reserven blockiert, was einen Rückgang des USDC auf 0,87 Dollar auslöste.
Um dieses Risiko auszuschließen, baut die EZB ihre eigene Architektur in zwei Schritten auf.
- Zunächst eine technische Brücke, ab 2026 das Projekt Pontes. Diese Vorrichtung soll es Banken ermöglichen, auf der Blockchain zu handeln, indem sie direkt die offizielle Währung der EZB verwenden, statt private Stablecoins.
- Anschließend sieht das Projekt Appia bis 2028 die Schaffung eines vollständigen und souveränen Finanzökosystems vor, in dem alle europäischen Transaktionen auf einem von Zentralbanken verwalteten Netzwerk automatisiert würden.
Die regulatorische Sackgasse: von USDT zu USDC aus Notwendigkeit
Europa sitzt in der Falle seines eigenen Zeitplans. Ab dem 1. Juli 2026 wird die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA) die Verbreitung nicht regulierter Stablecoins verbieten. Plattformen wie Binance [internationale Kryptowährungsbörse] oder Coinbase [US-amerikanische Plattform für den Handel mit Kryptowährungen] haben USDT bereits aus ihren Angeboten im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) entfernt.
Mangels eines für die Öffentlichkeit verfügbaren digitalen Euro fließen diese Mittel auf natürliche Weise in Richtung USDC, da Circle seine Zulassung bereits im Juli 2024 erhalten hat.
Diese Dynamik verstärkt die Nutzung des Dollars für den europäischen Investor. Wenn das Projekt Pontes im Jahr 2026 die Bedürfnisse der Banken erfüllt, muss der Privatkundenmarkt bis 2028 warten, um über eine ausgereifte souveräne Alternative zu verfügen. Während dieser zwei Jahre wird der regulierte europäische Markt von amerikanischen Technologielösungen abhängig bleiben.
Die Dezentrale Finanzwirtschaft: die Alternative zum institutionellen Zeitplan
Wenn die großen Vorhaben der EZB das Europa von morgen zeichnen, stoßen sie auf die Ungeduld und die Bedürfnisse des Investors von heute. Genau in dieser Lücke zwischen institutionellen Ankündigungen und der Realität des Marktes erhält DeFi [Dezentrale Finanzwirtschaft – Finanzanwendungen auf Blockchains, die ohne klassische zentrale Vermittler funktionieren] ihren ganzen Sinn.
Quelle: Journal du Coin
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„Bye Bye Staat & Hallo Freiheit“
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