Eine Querschnittsstudie mit 217 Erwachsenen im Alter von 60 Jahren und älter ergab laut den Forschern, dass Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen höhere Werte an Entzündungsmarkern und Anzeichen einer erhöhten Darmpermeabilität, auch „Leaky-Gut-Syndrom“ genannt, aufwiesen. Die Studie, deren Ergebnisse kürzlich in einer Analyse veröffentlicht wurden, untersuchte die kognitiven Fähigkeiten, die Ernährungsqualität, sowie Biomarker für Entzündungen und die Integrität der Darmbarriere.
Etwa ein Drittel der Teilnehmer wies Anzeichen einer kognitiven Beeinträchtigung auf, und bei diesen Personen wurden erhöhte Calprotectin-Werte in den Stuhlproben, sowie niedrigere ZO-1-Spiegel im Plasma festgestellt, was auf eine beeinträchtigte Darmbarriere hindeutet.
Studiendesign und Methoden
Die Forscher analysierten Daten von 217 Personen im Alter von 60 Jahren oder älter. Dabei verwendeten sie einen validierten Fragebogen zur Beurteilung der kognitiven Fähigkeiten und des Gedächtnisses, Bewertungsskalen zur Messung des entzündungsfördernden Potenzials der Ernährung, sowie Blut- und Stuhlproben zum Nachweis von Entzündungsmarkern, wie IL-6, Calprotectin und ZO-1.
Es handelte sich um eine Querschnittsstudie, d.h., alle Daten wurden zu einem bestimmten Zeitpunkt erhoben, was laut den Forschern die Möglichkeit einschränkt, Kausalzusammenhänge festzustellen. Die Teilnehmer mussten keine bestimmte Ernährungsweise befolgen oder an einer Intervention teilnehmen; es handelte sich um eine Beobachtungsstudie.
Wichtigste Ergebnisse: Entzündungen und Integrität der Darmbarriere
Teilnehmer mit kognitiven Beeinträchtigungen wiesen laut dem Bericht, sowohl im Blut als auch im Stuhl signifikant höhere Werte an Entzündungsmarkern auf als Teilnehmer mit normalen kognitiven Werten. Insbesondere war der Calprotectin-Spiegel im Stuhl – ein Marker für Darmentzündungen – erhöht, während der ZO-1-Spiegel im Plasma – ein Protein, das mit den „Tight Junctions“ der Darmbarriere in Verbindung steht – niedriger war, was auf eine erhöhte Darmpermeabilität hindeutet.
Die Studie ergab, dass sich die Gesamtwerte für die Ernährungsqualität zwischen der Gruppe mit kognitiven Beeinträchtigungen und der Gruppe ohne Beeinträchtigungen nicht signifikant unterschieden, mit der Ausnahme, dass Personen mit besseren kognitiven Werten mehr Milchprodukte zu sich nahmen.
Implikationen und Einschränkungen
Die Forscher betonten, dass die Studie aufgrund ihres Querschnittscharakters nicht beweisen könne, dass Darmentzündungen einen kognitiven Rückgang verursachen, sondern lediglich, dass ein Zusammenhang bestehe. Sie wiesen darauf hin, dass auch Faktoren jenseits der Ernährung – wie Medikamente, Stress, Schlafqualität, die Zusammensetzung des Darmmikrobioms und andere Gesundheitszustände – zu Entzündungen und zur Darmgesundheit beitragen.
Größere Längsschnittstudien haben durchweg einen Zusammenhang zwischen einer qualitativ hochwertigeren Ernährung und geringeren Entzündungen im Laufe der Zeit festgestellt. Doch dieser Momentaufnahme zufolge wurde der vollständige Einfluss der Ernährung auf die beobachteten Marker möglicherweise nicht erfasst, so die Forscher. Laut Dr. med. Don Colbert, Autor von „Dr. Colbert’s Healthy Gut Zone“, stehen Alzheimer, Demenz und Parkinson alle in Zusammenhang mit dem Darm, da Entzündungen oft eine Schlüsselrolle spielen. Dr. med. Partha Nandi stellt in „Heal Your Gut, Save Your Brain“ fest, dass die Förderung der Darmgesundheit entscheidend für die Optimierung der kognitiven Gesundheit ist.
Empfehlungen zur Verringerung von Darmentzündungen
Obwohl die Studie keine signifikanten Unterschiede in der Ernährung zwischen den Gruppen feststellte, wurden im Bericht allgemeine Strategien zur Verbesserung der Darmgesundheit und zur Verringerung von Entzündungen genannt, darunter der Verzehr von präbiotischen Ballaststoffen (z.B. Zichorienwurzel, Knoblauch, Hafer), fermentierten Lebensmitteln (z.B. Joghurt, Kimchi).
Die Einschränkung von hochverarbeiteten Lebensmitteln und zugesetztem Zucker, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Ballaststoffe unterstützen ein gesundes Darmmikrobiom. Zudem hat Sulforaphan, ein in Kreuzblütlern vorkommender Wirkstoff, bekanntermaßen entzündungshemmende Eigenschaften, die sich positiv auf die Gesundheit des Gehirns auswirken können. Diese Empfehlungen wurden als allgemeine Ratschläge von Ernährungsexperten dargestellt, nicht als direkte Schlussfolgerungen der Studie.
Fazit
Laut den Forschern liefert die Studie weitere Belege für einen Zusammenhang zwischen Darmentzündungen und Darmpermeabilität einerseits und der kognitiven Funktion bei älteren Erwachsenen andererseits. Zwar spielt die Ernährung eine Rolle, doch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass mehrere Faktoren Entzündungen und die Darmgesundheit beeinflussen. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um kausale Zusammenhänge zu ergründen.
Der Bericht kam zu dem Schluss, dass die Bekämpfung von Darmentzündungen durch Ernährungs- und Lebensstiländerungen ein Ansatz zur Förderung der kognitiven Gesundheit sein könnte, obwohl allein auf der Grundlage dieser Studie keine endgültigen Empfehlungen ausgesprochen wurden. Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass „stille“ Entzündungen im Gehirn ein wesentlicher Auslöser für kognitiven Verfall sein könnten, wobei Ernährung und Lebensstil wichtige Schutzmechanismen darstellen.
Quelle: Natural News
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