Von wegen frei. Japans erster Yen-Stablecoin gibt’s nur mit KYC-Zwang

von | 29. Aug. 2025

Viele sehen in Stablecoins ein freies Pendant auf der Blockchain zu klassischen Fiatwährungen. Bei einigen Stablecoins wie Tether lässt sich tatsächlich von einer eigenen non-custodial Wallet Geld versenden, ohne vorher eine Identitätsprüfung (KYC) durchlaufen zu müssen. Allerdings zeigt sich auch hier, dass die Freiheit nur begrenzt ist: Stablecoins sind fast immer an zentralisierte Firmen gebunden, die im Hintergrund über Blacklists verfügen und Adressen sperren können (was sie auch immer wieder tun).

Beim neuen Yen-Stablecoin in Japan wird die Einschränkung noch deutlicher. JPYC hat als erster Anbieter im Land die Lizenz als „Funds transfer service provider“ erhalten, ein klarer Hinweis darauf, dass umfassende KYC- und AML-Anforderungen verpflichtend sind. Der überarbeitete Payment Services Act, Japans Zahlungsdienstgesetz, schreibt eine vollständige Deckung eines Stablecoin und strikte Compliance vor. Damit ist der Erwerb von Yen-Stablecoins ohne KYC wohl nicht möglich. Selbst wenn man ihn später von einer anderen Partei erhält, lassen sich Rückschlüsse auf Transaktionsketten ziehen, weil der erste Nutzer bereits identifiziert wurde. Die Folge: Geldströme sind jederzeit überwacht und zurückverfolgbar und eine Sperrung über eine Blacklist möglich.

Stablecoins können sehr praktisch sein, doch man sollte wissen, welche Spuren ihre Nutzung hinterlässt. Am Ende handelt es sich um das Geld einer Firma, die über Walletadressen und Blacklists die Kontrolle behält.

Japan bringt den ersten Yen-gebundenen Stablecoin an den Start

Tyler Durden – 19. August 2025.

Die Wirtschaftszeitung Nikkei berichtete, dass die japanische Finanzaufsichtsbehörde (Financial Services Agency, FSA) bereits im Herbst die Emission des ersten auf Yen lautenden Stablecoins Japans genehmigen könnte und sich damit dem globalen Wettlauf anschließt, Stablecoins in der eigenen Währung auszugeben (oder, im Fall mehrerer börsennotierter Unternehmen, an die eigene Aktien gekoppelt). (Vgl. Nikkei Asia)

Dem Bericht zufolge wird das Finanztechnologie-Unternehmen (Fintech) JPYC sich als Geldtransfer-Dienstleister registrieren [regulierte Kategorie für Zahlungsdienstleister, die Überweisungen abwickeln] und seinen „JPYC“-Stablecoin innerhalb weniger Wochen zum Verkauf anbieten. JPYC hat bislang einen „Prepaid JPYC“ ausgegeben, bereitet jedoch die Emission und Verteilung von „JPYC“ als elektronischem Zahlungsinstrument vor, das gegen japanische Yen eintauschbar ist, und zwar auf Grundlage des überarbeiteten Zahlungsdienstgesetzes (Payment Services Act, PSA), das 2023 in Kraft getreten ist.

Ziel ist es, innerhalb von drei Jahren JPYC im Umfang von 1 Billion Yen (6,81 Milliarden US-Dollar) [~5,82 Milliarden Euro] auszugeben. Bereits jetzt gibt es Interesse von mehreren Seiten, darunter Hedgefonds [Anlagefonds mit flexiblen Strategien], die in Kryptowährungen investieren, sowie Vermögensverwaltungsbüros wohlhabender Privatpersonen [sogenannte Family Offices]. Erwartete Einsatzgebiete umfassen Carry Trades [Strategie, bei der Mittel in einer Währung mit niedrigen Zinsen, typischerweise, Yen aufgenommen und in einer mit höheren Zinsen, häufig US-Dollar, angelegt werden, um von den Zinsdifferenzen zu profitieren.].

Während die Aufmerksamkeit bisher vor allem auf US-Dollar-Stablecoins lag, könnte die gemeldete Genehmigung eines Yen-basierten Stablecoins dem Ökosystem digitaler Währungen in Japan Auftrieb geben. Bei Präsentationen zu den Geschäftszahlen im Juli und August äußerten einige Fintech-Unternehmen Erwartungen an inländische Stablecoins. Für die Bankenbranche sieht Goldman Sachs [US-Investmentbank] Potenzial für Gebühreneinnahmen in Bereichen wie Verwahrdienstleistungen [engl. „Custody“] und Sicherheitenmanagement [„Collateral Management“; Verwaltung von hinterlegten Vermögenswerten als Absicherung]. Nach Angaben von JPYC wird sein treuhandbasierter Stablecoin auf der Progmat-Coin-Plattform* von Mitsubishi UFJ Trust and Banking* emittiert.

* Die Progmat-Coin-Plattform ist eine von der Mitsubishi UFJ Trust and Banking Corporation entwickelte Infrastruktur für digitale Vermögenswerte.

* Obwohl der Name Mitsubishi sowohl im Finanz- als auch im Automobilsektor auftaucht, handelt es sich um unterschiedliche Unternehmenszweige. Die Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) ist der größte Finanzkonzern Japans und umfasst die Mitsubishi UFJ Trust and Banking Corporation, die den Stablecoin ausgeben soll. Mitsubishi Motors hingegen gehört zum Industriezweig der Mitsubishi-Gruppe und ist eigenständig im Bereich Automobilproduktion tätig. Beide Unternehmen gehen historisch auf den gleichen Mitsubishi-Konzernverbund zurück, arbeiten jedoch unabhängig voneinander in verschiedenen Branchen.

Der Nikkei-Artikel nennt grenzüberschreitende Überweisungen, Unternehmenszahlungen und Vermögensverwaltung als mögliche Anwendungsfälle.

Allerdings bleiben Herausforderungen. Eine Sorge ist das Risiko von Schwankungen und eine mögliche Entkopplung von der Annahme, dass jede Stablecoin-Einheit zu einem Yen gehandelt wird. Zwar sind Stablecoins im Allgemeinen weniger volatil als Kryptowährungen, doch als gesetzliches Zahlungsmittel gilt: Ein Yen ist immer einen Yen wert.

Unterdessen erwartet Goldman, dass sich die Debatte bald auf Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche (Anti-Money-Laundering, AML) [gegen Geldwäsche] konzentrieren wird, zum Beispiel auf Überweisungen an Empfänger, die nicht den KYC-Vorschriften (Know Your Customer) [Identitätsprüfung von Kunden durch Finanzdienstleister] unterliegen, falls Stablecoins von nicht näher bestimmten Parteien genutzt oder gehandelt würden, um sie gegen gesetzliches Zahlungsmittel einzulösen oder auf einer Blockchain weiterzuleiten.

Quelle: ZeroHedge

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