Wie weiß das Internet, dass du wirklich DU bist? Das Einzel-Personen Problem – Unique-Person-Problem I

von | 25. Aug 2023

In diesem Artikel gehen wir einen Link in dem Papier von Vitalik Buterin weiter, das es in sich hat, da es dort gleich mehrere Verlinkungen zu Projekten gibt, mit denen sichergestellt werden soll, dass es sich in der digitalen Welt tatsächlich um einen Menschen handelt. Der Link „unique-human problem“ führt uns zu einer Textstelle innerhalb vieler kurzer Beiträge einer Art Gemisch aus Tagebuch und Blog von Buterin:

Es gab bereits zahlreiche Versuche, das Problem der einmaligen menschlichen Identifizierung zu lösen. Einige der Versuche, die mir einfallen, sind (unvollständige Liste!):

Mit dem wachsenden Interesse an Techniken wie „quadratic voting[quadratisches Abstimmen] und „quadratic funding[quadratische Finanzierung] steigt auch die Notwendigkeit für ein auf Menschen basierendes Anti-Sybil-System. Hoffentlich können die fortlaufende Entwicklung dieser Techniken und neue Ansätze dieser Anforderung gerecht werden.

Vitalik.ca

Quadratic Voting

Beim quadratic voting (quadratischen Abstimmen) geht es darum, den Wählern die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung über verschiedene Themen in einer Abstimmung stärker oder schwächer zum Ausdruck zu bringen. Stell dir vor, jeder Wähler erhält ein „Budget“ an Stimmpunkten. Anstatt nur ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ zu einem Thema abzugeben, können Wähler mehr von ihren Punkten für Entscheidungen verwenden, die ihnen besonders am Herzen liegen.

Allerdings gibt es einen Haken: Jede zusätzliche Stimme für dasselbe Thema kostet exponentiell mehr. Das bedeutet, wenn eine Stimme einen Punkt kostet, kostet eine zweite Stimme für das gleiche Thema insgesamt vier Punkte (weil 2×2 = 4), und eine dritte Stimme würde neun Punkte kosten (weil 3×3 = 9). Dies erklärt, warum es „quadratisch“ genannt wird – die Kosten steigen im Verhältnis zum Quadrat der Anzahl der abgegebenen Stimmen.

Durch dieses System überlegen sich die Wähler genau, wie sie ihre Stimmpunkte verteilen. Es wird nicht nur erfasst, welche Option die beliebteste ist, sondern auch, wie stark die Meinungen dazu sind. Es ermöglicht eine nuanciertere Darstellung der Vorlieben und Intensitäten der Meinungen der Wähler.

Quadratic Funding

Stell dir vor, du bist auf einer Messe, und es gibt verschiedene Stände mit Projekten, die Geld brauchen. Jeder Besucher der Messe bekommt fünf Euro, die er den Projekten geben kann, die ihm gefallen.

Für jedes Projekt gibt es einen großzügigen Sponsor im Hintergrund. Je mehr verschiedene Personen einem Projekt etwas von den fünf Euro geben, desto mehr Bonusgeld gibt der Sponsor diesem Projekt.

Es geht nicht nur darum, wie viele Geld ein Projekt bekommt, sondern auch, wie viele verschiedene Leute sich beteiligen.

Das „quadratische“ beim Quadratischen Funding bezieht sich darauf, wie der Bonus berechnet wird. Das Prinzip ist, dass der Bonus stärker wächst, je mehr verschiedene Personen zu einem Projekt beitragen, aber der Zuwachs ist nicht linear. Es ist nicht so, dass beispielsweise zehn Personen doppelt so viel Bonus wie fünf Personen generieren würden. Stattdessen wird die Summe der Beiträge jedes Projekts quadriert, um den Bonus zu bestimmen. Das bedeutet, dass Projekte, die breite Unterstützung erhalten, überproportional belohnt werden.

Die Berechnungen ähneln also stark derer des Quadratic Votings.

Quadratic Voting und Quadratic Funding sind auch Mittel gegen Sybil-Angriffe

Die beiden Begriffe beziehen sich nicht unmittelbar darauf, zwischen Menschen und Bots zu unterscheiden.

Es geht auch um die Abwehr von Sybil-Angriffen (wird in diesem Artikel besprochen). Diese Angriffe sind besonders kritisch, da sie es einer Entität ermöglichen, zahlreiche „falsche Individuen“ zu erschaffen und somit das Netzwerk zu beeinflussen und zu stören.

HumanityDAO

Die Website war wegen fehlender Sicherheit – kein https – nicht aufrufbar. Wahrscheinlich wurde das Projekt eingestellt, wobei mir keine weiteren Informationen dazu vorliegen.

Pseudonym parties

Der Link „pseudonym parties“ führt zu einem PDF des MIT (Massachusetts Institute of Technology) mit dem Titel „Eine offline Grundlage für online verantwortliche Pseudonyme“ (An Offline Foundation for Online Accountable Pseudonyms).

Zusammenfassung des Inhalts:

Das Recht auf Anonymität im Internet wird oft als wichtiger Bestandteil der Meinungsfreiheit gesehen. Dies scheint jedoch oft im Widerspruch zum Prinzip der Verantwortlichkeit zu stehen, welches ebenfalls eine Grundlage der sozialen Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit ist. Ein Hauptproblem des Internets ist nicht die Anonymität der Nutzer, sondern die Möglichkeit, Online-Identitäten einfach zu wechseln. Ein Angreifer kann schnell eine neue Identität annehmen und damit beispielsweise Spam verschicken oder Abstimmungen manipulieren.

Die Lösung dieses Problems könnte in „verantwortlichen Pseudonymen“ liegen. Diese Pseudonyme wären anonym, aber nicht ‚wegwerfbar‘. Das heißt, ein Nutzer könnte zwar anonym bleiben, wäre aber verantwortlich für seine Aktionen unter diesem Pseudonym. Würde er gegen Regeln verstoßen, könnte er gesperrt werden und könnte sich nicht einfach unter einem anderen Namen neu anmelden.

Ein vorgeschlagener Weg, solche Pseudonyme zu erstellen, sind „Pseudonym-Partys“. Hier treffen sich Menschen einmal im Jahr persönlich und erhalten Zertifikate, die bestätigen, dass sie eine reale Person sind. Da jeder nur an einem Ort gleichzeitig sein kann, würde dies sicherstellen, dass jeder nur ein solches Zertifikat pro Jahr erhält. Mit diesem Zertifikat könnte man dann auf verschiedenen Online-Plattformen Pseudonyme erstellen, aber nur ein Pseudonym pro Plattform.

Online-Dienste könnten diesen verantwortlichen Pseudonymen besondere Rechte gewähren, wie die Teilnahme an Abstimmungen, die vor Manipulation geschützt sind. Die Einführung solcher Pseudonyme müsste nicht flächendeckend erfolgen, sondern könnte schrittweise geschehen. Die Kosten für die Umsetzung wären zunächst gering und könnten durch freiwillige Spenden gedeckt werden.

Fazit

Das reale Treffen für die Pseudonym-Partys ist in der digitalen Welt nicht praktikabel.

Die von Buterin gegeben Links zu POAP und BrightID werden wir in den nächsten Artikel dieser Reihe behandeln.

Alle Artikel der Reihe „Wie weiß das Internet, dass du wirklich DU bist?“ findest du hier.

Artikelempfehlungen:

  • Wie weiß das Internet, dass du wirklich DU bist? Nachweis über pseudonyme Partys
    Das Proof-of-Personhood-Verfahren ist ein interessanter Lösungsansatz des Problems, dessen praktische Umsetzung aber an ihre Grenzen stößt.
    Wir wenden uns in dem Artikel auch dem Szenario von Sybil-Angriffen zu und zeigen auf, warum gerade dieser Name gewählt wurde.
    Dabei haben wir alles in einer einfachen Weise verpackt, damit es auch ohne Vorkenntnisse verständlich ist.

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