Dies ist der neunte Teil einer Reihe von 13 Artikeln, die die gängige Lehrmeinung zum Klimawandel hinterfragen und von Professor Gwythian Prins in Auftrag gegeben wurden.
Im Laufe der Geschichte sind erfolgreiche Ingenieursprojekte das Vermächtnis jener Epoche, in der sie realisiert wurden. Wir verdanken den Pyramiden und den Überresten des antiken Athens und Roms unbekannten Ingenieuren. Wir verdanken Brunel unsere Eisenbahnen, Tunnel und Brücken. Ob wir ihn nun mögen oder nicht – wir verdanken Elon Musk bislang PayPal, den günstigeren Zugang zum Weltraum und Elektrofahrzeuge.
Wem werden wir für das grüne Nirwana danken? Die Windmühlen von heute sind moderne Versionen jener, die vor mehreren Jahrhunderten die Industrie antrieben. Innerhalb weniger Jahrzehnte nach der Einführung von James Watts Dampfmaschine zur Unterstützung der jährlichen Ernte in Europa hörten diese alten Windmühlen auf, sich zu drehen, denn hier gab es eine neue, flexible, transportable und stets einsatzbereite Form der Energie. Nichts, was in den letzten Jahrzehnten geschehen ist, hat diesen Unterschied im Nutzen verringert. Die Gesetze der Physik verhindern dies.
Wir haben uns daran gewöhnt, Energie zu nutzen, wann und wo wir sie wollen. Da es – derzeit und auch in absehbarer Zukunft – keine Technologie gibt, um Strom in großem Maßstab über Wochen hinweg zu speichern, benötigen wir eine 100%ige Reservekapazität aus Kohle, Öl, Gas und Kernkraft für Zeiten, in denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.
Eine erzwungene Priorisierung von Wind- und Solarenergie, versüßt durch massive Subventionen (denn der freie Markt würde diese Technologien nicht von sich aus annehmen), bedeutet, dass wir zwei Netze parallel betreiben müssen: Das eine mit schwankender Leistung, das andere mit konstanter. In den letzten 20 Jahren gab es lediglich verschwenderische Erweiterungen und einige unkluge Einschnitte, wie zum Beispiel die Sprengung von Kohlekraftwerken zur Schau. Wir hätten unsere moderne Gesellschaft nicht entwickeln können, wenn wir uns von Anfang an ausschließlich auf Wind- und Solarenergie verlassen hätten. Genauso wenig wie wir uns dem Markt widersetzen können, weil er zurückschlägt, können wir uns auch den technischen Prinzipien der Stromerzeugung widersetzen, denn auch sie schlagen zurück.
Entfernt man die rotierende Trägheit aus einem Stromnetz, wird dieses zunehmend instabil und anfällig für Stromausfälle, da es die Fähigkeit verliert, die Störungen und Schwankungen zu „überstehen“, die immer dann auftreten, wenn Kraftwerke unerwartet vom Netz gehen. Wie oft müssen wir diese Lektion noch lernen? Vielleicht wird uns der große iberische Stromausfall im April 2025 endlich die Augen öffnen? Das Ganze hat eine doppelte Ironie. Ein Netz, das mit trägheitslosen und nicht regelbaren Kraftwerken (Solar und Wind) überladen ist und bei dem ein „Black Event“ eintritt, kann keinen „Black Start“ einleiten, ohne auf die „bösen alten“ fossilen Brennstoffe zurückzugreifen, um Stabilität und Synchronität wiederherzustellen – bevor diese wieder in den Holzschuppen verbannt werden, während die luxuriösen „unzuverlässigen“ Quellen wieder ihren Platz an der Sonne einnehmen. Wie sinnlos ist das denn?
Betrachten wir es einmal aus einem anderen Blickwinkel. Warum gibt es keinen ikonischen „grünen“ Ingenieur, der für seine oder ihre großartigen Beiträge zu der Lebensweise gefeiert wird, zu der wir nun gezwungen sind? Weil es keinen solchen Ingenieur gibt. Die grüne Bewegung, verkörpert durch diejenigen, die sich für eine „klimaneutrale Weltwirtschaft“ einsetzen, wurde ohne jeglichen grundlegenden Input von Ingenieuren aus der Praxis konzipiert und wird auch ohne diesen vorangetrieben. Sie ist in ihrem Ursprung und ihrer gegenwärtigen Praxis in erster Linie ein pseudoreligiöses Projekt, das auf Glauben basiert; und die Glut des Glaubens, sei sie noch so glühend, wie sie bei Ed Miliband sichtbar ist, erzeugt kein einziges Milliwatt an Energie.
Jedes praktische Ingenieurprojekt wird zunächst im Hinblick auf Kosten, Materialien und personelle Ressourcen abgegrenzt. Ingenieure erinnern sich an die Lehren aus dem Turmbau zu Babel oder aus Ozymandias („Seht meine Werke, ihr Mächtigen, und verzweifelt!“), und sie beginnen ein Projekt mit der Absicht, es erfolgreich, termingerecht und im Rahmen des Budgets abzuschließen. Kein verantwortungsbewusster Ingenieur würde ein „Netto-Null-Kohlenstoff“-Projekt in Angriff nehmen, geschweige denn unter Termindruck, denn schon eine oberflächliche Analyse zeigt, dass wir weder über ausreichende finanzielle Mittel noch über genügend Material oder Personal verfügen, um das Projekt erfolgreich, termingerecht und innerhalb eines festgelegten Budgets abzuschließen.
Zwar arbeiten heute viele Ingenieure an einzelnen Teilen des gesamten Netto-Null-Projekts, doch gibt es niemanden, der alle Teile zusammenführt und die Verantwortung für den Erfolg des Ganzen übernimmt. Es gibt kein Pendant zu Sir John Armitage, der den Bau des Heathrow-Terminals 5 und des Londoner Olympiaparks termingerecht und im Rahmen des Budgets geleitet hat: Es gibt keine vergleichbare Person für das „Net Zero“-Projekt. Beamte sind einfach kein Ersatz.
Ironischerweise ist es gerade der Erfolg der Ingenieurkunst in der realen Welt, der viele Menschen in der Gesellschaft zu der irrigen Annahme verleitet hat, dass – aufgrund einer fehlgeleiteten Analogie – alles möglich sei, wenn wir es nur fordern. Wenn wir zum Mond fliegen können und über erstaunliche Rechenleistung verfügen, können wir dann nicht sicherlich bis 2050 eine „klimaneutrale“ Gesellschaft erreichen? Doch technologische Entwicklungen und ihre Anwendungen in ingenieurwissenschaftlichen Projekten haben ihre eigenen Zeitpläne, die nicht per Dekret festgelegt werden. Gemäß der entscheidenden Unterscheidung von Professor Gwythian Prins handelt es sich dabei um „zahme“ Projekte, was bedeutet, dass „alles bekannt sein kann“.
Die Herstellung einer Atombombe ist ein typisches Beispiel dafür. Es dauerte vier Jahre (nicht vier Monate oder ein Jahr) intensiver Entwicklungsarbeit, um die Bombe zu bauen, und es gab von Anfang an keine „bekannten Unbekannten“ in den wissenschaftlichen Grundlagen der Bombe. Es dauerte ein Jahrzehnt von Präsident Kennedys Aufruf bis zum ersten Schritt des Menschen auf dem Mond: Auch hier gab es keine unüberwindbaren Hindernisse, und anhaltende, disziplinierte Ingenieursarbeit setzte sich durch. Dies sind außergewöhnliche Projekte.
Das moderne interkontinentale Passagierflugzeug ist nichts anderes, als eine erkennbare Weiterentwicklung der Boeing 707, deren Prototyp 1955 über dem Lake Washington erstmals in die Geschichte einflog und am 26. Oktober 1958 den Passagierbetrieb aufnahm. (vgl. youtube.com) Die Fortschritte in der Elektronik basierten stets auf dem Prinzip, mit weniger Aufwand mehr zu erreichen, da die Transistoren in den letzten fünf Jahrzehnten immer kleiner wurden. Dies ist eine völlig andere Grundlage als der Austausch einer Stromquelle durch eine andere.
Es gibt keinen „Triumph des Willens“. Man kann nicht einfach eine neue Energieinfrastruktur schaffen, nur weil man es sich stark genug wünscht, wenn wichtige Aspekte wissenschaftlich noch ungeklärt sind – und selbst wenn man, wie Professor Gordon Hughes und Dr. Lee Moroney berechnet haben, bereit ist, seit 2002 220 Milliarden Pfund an Subventionen auszugeben, ohne das von einem so sehnlichst gewünschte fossilfreie Stromnetz zu erreichen.
Nehmen wir ein zentrales Beispiel: Eine Lithium-Ionen-Batterie in einem Tesla-Auto hat eine Energiedichte von etwa 270 Wattstunden pro Kilogramm (Wh/kg). Die Energiedichte von Batterien mag sich in den nächsten 50 Jahren verdoppeln, nachdem sie sich in den letzten 50 Jahren versechsfacht hat, doch sie wird immer noch um den Faktor 40 geringer sein, als die Energiedichte von Dieselkraftstoff (12.700 Wh/kg) oder Flüssiggas (13.600 Wh/kg). Sie ist in dem für eine „Netto-Null“-Gesellschaft erforderlichen Umfang schlichtweg unerschwinglich. Diese Kennzahl lässt die Hindernisse durch spezielle Rohstoffe außer Acht, deren Beschaffung und Entsorgung mit hoher Umweltbelastung verbunden sind, ebenso wie die hohen in der Herstellung enthaltenen Energiekosten und die gut dokumentierte Brandgefahr. All diese Nachteile sind mittlerweile allgemein bekannt.
Ohne groß angelegte Batterien werden wir weiterhin Öl und Gas benötigen und im Idealfall ultra-superkritische Kohlekraftwerke – wie es die Deutschen nun nach dem Scheitern der Energiewende (DER „Energiewende“) tun, die keine Wende gebracht hat. Diese hochmodernen Anlagen erreichen einen thermischen Wirkungsgrad von fast 50% und betreiben Deutschlands zweites Stromnetz – das Netz für verlässliche, regelbare Energie – um in „Dunkelflaute“-Nächten Reserveenergie bereitzustellen. Und natürlich sind energiereiche Vorkommen aus heimischen Kohlebergwerken, Öl- und Gasquellen, sowie Schiefergasfeldern unverzichtbar:
Großbritannien verfügt glücklicherweise noch über reichliche eigene Brennstoffvorkommen. Da Hansens „Regler-Theorie“, wonach CO₂ die globale Temperatur maßgeblich steuert, durch reale Daten nicht ausreichend gestützt wird, können wir – wie Professor Prins betont – die nationale Energiesicherheit als zentralen Bestandteil der Landesverteidigung priorisieren, ohne ernsthafte Umweltbedenken zu haben. Moderne Filtertechnologien ermöglichen es zudem, Partikelemissionen inzwischen sehr effektiv zu reduzieren.
Im Gegensatz dazu stellen die fälschlicherweise als „erneuerbar“ bezeichneten Energiequellen eine ständige Gefahr für unsere Stromversorgung dar. Die an bewölkten, windigen Tagen unregelmäßige und stark schwankende Einspeisung muss ausgeglichen werden, und die gefürchtete „Dunkelflaute“, in der weder Sonne noch Wind vorhanden sind, lässt sich mit den technologischen Kapazitäten eines Netzes, das von „unzuverlässigen“ Quellen dominiert wird, nicht bewältigen. Und wenn aus luxuriösen politisch-religiösen Gründen (wie derzeit) „unzuverlässige“ Energiequellen bei ihrer Verfügbarkeit Vorrang bei der Einspeisung erhalten, führt dies zu verheerenden Folgen, wie Systemausfälle aufgrund mangelnder Systemträgheit zeigen.
Aber auch geringere Schäden treten ständig auf. Öl-, große Gas- und Kohlekraftwerke – und erst recht Kernkraftwerke – sind nicht dafür ausgelegt, nach den Launen des Wetters hoch- und heruntergefahren zu werden und aus nicht-kommerziellen Gründen den „unzuverlässigen Quellen“ die zweite Geige zu spielen. Ständige und schnelle Schwankungen des Bedarfs und damit der Leistungsniveaus tragen erheblich zum Verschleiß der regelbaren Kraftwerksanlagen bei, verkürzen deren Lebensdauer und erhöhen die Gesamtsystemkosten.
Zudem müssen die Kosten für die Rolle als „zweite Geige“ weiterhin auf eine geringere Durchschnittsnachfrage umgelegt werden, was die Kosten weiter in die Höhe treibt. In Europa besteht ein direkter und linearer Zusammenhang zwischen den Grundkosten für Strom in einem Land und dem Anteil erneuerbarer Energien am lokalen Netz. Die neue Studie der Renewable Energy Foundation zeigt, dass 40% der Stromkosten im Vereinigten Königreich mittlerweile aus direkten und indirekten Subventionen bestehen, mit denen Betreiber dazu bewegt werden sollen, Wind- und Solarkraft weiter zu betreiben, und dass der absolute Rückgang des Stromverbrauchs mit dem Anstieg der Subventionslast korreliert. Dies ist kein Ergebnis verbesserter Effizienz, wie jeder gebildete Ingenieurstudent, der mit dem Jevons-Paradoxon vertraut ist – zumindest jeder, den ich in Cambridge unterrichtet habe – weiß oder wissen sollte.
Wo der Ingenieurberuf und die Berufsverbände – darunter die Royal Society und die Royal Academy of Engineering, deren Mitglied ich bin – die Öffentlichkeit wirklich im Stich gelassen haben, ist die Tatsache, dass sie all diese elementaren und unvermeidbaren ingenieurwissenschaftlichen Probleme nicht thematisiert haben, für die bislang keine Lösung in Sicht ist, geschweige denn bis 2050, wenn überhaupt. Schlimmer noch: Die Wissenschaft und die führenden Akademien verstoßen gegen ihre grundlegenden ethischen Verhaltenskodizes. Sie schweigen, während Forschungsräte weiterhin einer stetigen Flut sinnloser oder gefährlicher ingenieurwissenschaftlicher Forschungsprojekte (wie Geoengineering-Eingriffe in kaum verstandene offene Klimasysteme) Vorrang einräumen, die aus Gründen der grundlegenden Physik und Technik zu keinem Zeitpunkt das liefern werden, was benötigt wird – geschweige denn bis 2050 – sondern erhebliche Risiken mit sich bringen.
Wenn die 220 Milliarden Pfund, die seit 2002 in diesen luxuriösen Glaubenssatz gesteckt wurden, kein Anzeichen für einen sich selbst tragenden Durchbruch hervorgebracht haben, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass dies jemals der Fall sein wird. Allerdings hat dies viele „grüne“ (aber in Wirklichkeit gar nicht so grüne) Betrüger auf Kosten der Steuerzahler sehr reich gemacht und wird dies auch weiterhin tun. Ist es das, was die Steuerzahler wollen?
Die „grüne“ Lobby, die das „Net Zero Carbon“-Projekt ins Leben gerufen hat, ohne die technischen Gegebenheiten gebührend zu berücksichtigen, wird dem Land weiterhin wirtschaftliches Chaos bescheren. Wann werden diese Ideologen zur Rechenschaft gezogen?
Quelle: The Daily Sceptic
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